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Hightech im Gotteshaus
Ein Gotteshaus der Superlative wächst in Algier gen Himmel. Nach einem Entwurf des deutschen Architekten Jürgen Engel entsteht hier die Djamaa el Djazair als drittgrösste Moschee der Welt. Prägende Elemente der Anlage sind bis zu 36 m hohe Schleuderbetonsäulen der Firma Europoles.

Östlich der historischen Innenstadt Algiers entsteht ein gigantisches Gotteshaus. Auf einer Gesamtfläche von 375 000 m2 soll hier ein Bauwerk für die Ewigkeit geschaffen werden. Die Fertigstellung des rund 1;1 Milliarden Euro teuren Prestigeprojekts von Algeriens Präsident Abd al-Aziz Bouteflika ist für 2017 geplant. Dann sollen täglich 120 000 Menschen die Moschee besuchen. Der moderne Komplex vereint eine Vielzahl kultureller und religiöser Einrichtungen;darunter ein Museum und Forschungszentrum;Kultur- und Konferenzzentren sowie eine Bibliothek. Trotz seiner immensen Grösse wirkt der Gesamtentwurf der Moschee filigran und luftig;nicht zuletzt dank extrem schlanken Bauelementen;aber auch der Platzierung auf einem bis zu 5 m hohen Sockel. Auf ihm sind entlang der Achse in Richtung Mekka die einzelnen Bauwerke von Westen nach Osten angeordnet. Über eine Esplanade gelangt der Besucher zu den riesigen Eingangsarkaden. Der Gebetssaal ist ein gewaltiger 22;5 m hoher Kubus mit 145 m Seitenlänge. In ihm ruht ein zweiter;45 m hoher Kubus mit der zentralen Kuppel von 70 m Höhe. Hier tragen 32 Säulen aus Schleuderbeton das Dach;jede davon 36 m hoch bei einem Durchmesser von nur 1;62 m. Dreireihig säumen 164 weitere;bis zu 18;5 m hohe und 81 cm dicke Säulen dieses innere Gebetszentrum. Entlang von Esplanade und Gebetshof formen 422 Schleuderbetonstützen die Arkaden.

Erdbeschleunigung mal 20
Die insgesamt 618 achteckigen;extrem langen und schlanken Säulen prägen den Moscheekomplex massgeblich. Ihre aussergewöhnliche Grösse;Belastbarkeit;Funktionalität und Optik war nur dank Schleuderbeton möglich. Die Firma Europoles;der europäische Marktführer für Betonmasten;fertigt in Neumarkt (D) für jede Moscheestütze einen massgeschneiderten Armierungskorb mit Aussparungen für Revisionstüren und Anschlüsse für Beleuchtung oder Kameras. Um die vom Architekten gewünschte Scharfkantigkeit zu erreichen;musste jede Form von einem darauf spezialisierten Stahlbauunternehmen überfräst werden. Der fertige Armierungskorb wird in der unteren Hälfte einer Stahlform befestigt. Nach dem Einfüllen hochfesten C50/60-Weissbetons werden die beiden Formenhälften geschlossen und mit Spannstählen umringt. Anschliessend werden sie auf eine Schleuderanlage gehoben;wo sie sich liegend mit 800 U./min bis zu sechs Stunden lang drehen. Durch das Schleudern wird der Beton mit 20-facher Erdbeschleunigung an die Schalwandung gepresst. Wasser und Luft entweichen;sodass ein porenfreier;stark verdichteter Beton entsteht. Zugleich bilden die Zentrifugalkräfte im Inneren des Masts einen Hohlraum;durch den die gesamte Dachentwässerung der Moschee geleitet wird. Die fertigen Säulen sind durch ihre Porenfreiheit resistent gegen Salzwasser;Frost und Witterungseinflüsse.

Massarbeit in Stahl
Unverzichtbare Voraussetzung für ein Projekt in diesen Dimensionen ist für Michael Biederer;Technischer Projektleiter bei Europoles;die Zuverlässigkeit der Zulieferer. Dazu zählt auch Jebens: Ihre Stahlplatten haben eine tragende Rolle für die Schleuderbetonsäulen und damit für den ganzen Moscheebau. Bereits seit vielen Jahren arbeitet Europoles mit dem traditionsreichen Betrieb in Korntal-Münchingen (D) bei Stuttgart zusammen;der seine Rolle als führender Spezialist für Brennteile mit aussergewöhnlichen Formaten und Anforderungen konsequent ausbaut. Auch bei dem grössten Einzelauftrag seiner Firmengeschichte setzt Europoles deshalb auf den bewährten Partner. Um die gewünschten schlanken Querschnitte und Höhen der Säulen erdbebensicher im Moscheekomplex zu befestigen;benötigt jede Schleuderbetonsäule eine massive Fussplatte aus Stahl. Durch entsprechend vorbereitete Löcher wird die Stahlplatte über die aus der Moscheebodendecke herausragenden Bewehrungsstähle gestellt und festgeschraubt. Diese bis zu 1500 mm dicken und 1;7 t schweren Platten werden bei der Säulenproduktion auf der Schleuderanlange in der Oberpfalz direkt mit angeschleudert. Damit die Platten den enormen Kräften standhalten;schweisst Europoles sie vor dem Schleuderprozess am Armierungskorb an. Die Plattenproduktion erfordert deshalb exakt nach Kundenvorgaben gefertigte Brennzuschnitte;inklusive Schweissnahtvorbereitungen. Dank der Zugehörigkeit zu Europas führendem Grobblechhersteller;der Dillinger Hütte Saarstahl AG;steht Jebens für lückenlose Prozesssicherheit vom Rohmaterial bis zur fertigen Säulenfussplatte und zum direkten Zugriff auf führendes Stahl-Know-how. Da alle Fussplatten der Säulen unterschiedlich sind;erhält Jebens von Europoles für die mechanische Bearbeitung jeder Stütze eine separate Zeichnung. Eine Paradeaufgabe für das Unternehmen;das sich auf Massarbeit in Stahl bei anspruchsvollen;grossen Brennzuschnitten spezialisiert hat.

Pünktlich und exakt
Je nach Baufortschritt in Algier produziert der Neumarkter Betonmastenspezialist für das Projekt jede Woche je zehn Stützen in den Durchmessern 0;81 m und 1;10 m sowie sieben Säulen. Sie werden unmittelbar nach Fertigstellung per Bahn und Schiff nach Algerien transportiert. Für Jebens bedeutet dies;dass alle 618 verschiedenen Platten flexibel auf die Europoles-Produktion abgestimmt;nach plattenindividuellen Vorgaben hergestellt;bearbeitet und geliefert werden müssen. Inzwischen hat der Brennteilspezialist in diesem aufwendigen Verfahren über 200 Fussplatten hergestellt. Rund ein Drittel der Moscheesäulen wurde bei Europoles bis August 2014 produziert. Voraussichtlich August 2015 werden die letzten fertigen Säulen die Schleuderbänke in Neumarkt verlassen. Schon heute sieht sich Michael Biederer bei dem Projekt in den positiven Erfahrungen mit Jebens bestätigt. «Das grösste Plus in der Zusammenarbeit ist die Zuverlässigkeit»;lobt er. ■
www.jebens.de