Ein Team mit Potenzial

Eine der ersten Sichtbetonbauten des Kantons Schwyz steht in Wilen. Ihre Sanierung durch Lamoth Architekten bewahrte nicht das Materielle, sondern den Geist der Moderne.

Hansjörg Rufer und Tibor Lamoth
Hansjörg Rufer (links) und Tibor Lamoth vor der sanierten Villa in Wilen.
Fenster, Glas und Sonnenschutz
Interview: Uwe Guntern
Eine der ersten Sichtbetonbauten des Kantons Schwyz steht in Wilen. Ihre Sanierung durch Lamoth Architekten bewahrte nicht das Materielle, sondern den Geist der Moderne.

Das Einfamilienhaus an der Speerstrasse in Wilen war eine der ersten Sichtbetonbauten des Kantons Schwyz. Der visionäre Schwyzer Architekt Peter Schaefer hat 1962 dieses Gebäude geschaffen, das heute noch zukunftsweisend ist. 2011 wurde es von der Lamoth Architekten GmbH saniert und ist nun ein Plusenergiehaus. Dafür wurde das Architekturbüro von «effienergie», der Energieförderstelle des Bunds, für den besten Vorher-Nachher-Effekt mit dem 3. Rang ausgezeichnet. Die Sanierung als Interpretation hat dabei nicht das Materielle, sondern den Geist der Moderne erhalten.Wir trafen den Architekten Tibor Lamoth und Hansjörg Rufer von der Rufalex Rollladen-Systeme AG, welche die Rollläden für die Sanierung geliefert hatte. Am Beispiel der Villa diskutierten die beiden über grundsätzliche Aspekte des Sonnenschutzes im Allgemeinen und den Einsatz von Rollläden im Besonderen.

Was macht die Villa zu einer Besonderheit?

Tibor Lamoth: Der zeitlose Entwurf von 1962 ist heute noch ein modernes Haus.

Hansjörg Rufer: Sichtbeton und Flachdach waren damals eine Provokation. Man kann sich das heut gar nicht mehr vorstellen.

T.L.: Es war hart, zu akzeptieren, dass die Sichtbetonfassade verloren war. Doch das Material Beton war nicht das zentrale Thema dieser Architektengeneration. Wir haben den ganzheitlichen Fortschrittsgeist dieses Zeitdokuments der Schwyzer Moderne in die heutige Zeit transformiert: in einen Plusenergiebau und in ein Wohn- und Arbeitshaus mit gewöhnlichen Baukosten.

H.R.: Man hat die kulturellen und die technischen Leistungen von 1962 und 2017 vereint und Konstruktion und Ästhetik der damaligen Zeit für die Gegenwart neu interpretiert.

Welche Probleme traten bei einer solch umfassenden Aufgabe auf?

T.L: Die Abklärungen zum Grundsatzentscheid waren komplex. Die dünne Betonfassade war nicht mehr zu retten, weil sie mit allen Innendecken verbunden ist.Eine Innendämmung hätte zu dauernden Abplatzungen geführt. Die hinterlüftete Naturschiefer-Fassadenverkleidung erhält den steinernen Ausdruck, die Modulor-Fenster-Proportionen und das horizontale Fugenbild. Alle Details bei Fenstern und Dach sind in Schiefer ohne sichtbares Blech gelöst. Dank der perfekten Ausführung muss das Haus kaum mehr aktiv beheizt und nicht gekühlt werden.

Sie habe gerade auf die Fensterproblematik hingewiesen. Wie liessen sich die ästhetischen Ansprüche mit Sonnenschutz beziehungsweise Sicherheit vereinbaren?

T.L: Wir haben uns für Rollläden entschieden. Sie sind zeitlos schön und technisch robust.

H.R.: Hinzu kommt, dass unsere Rollläden neben Sicherheit, Design und Komfort, die sie bieten, auch montagefreundlich sind. Eingebaute Licht- und Wärmesensoren bringen sie automatisch in die richtige Position. Das kühlt im Sommer und isoliert im Winter. Die Rollläden schützen zuverlässig vor Sonne, Wind und Wetter. Sie sorgen für ein angenehmes Raumklima und lassen sich über die Hausautomation steuern.

T.L.: Rufalex Rollladen bietet einen sehr guten Beratungsdienst. So konnten alle individuellen Detailwünsche gelöst werden. Der Sonnenschutz ist zentrales Thema eines sorgfältigen Fassadenentwurfs.

H.R.: Darüber hinaus darf man natürlich nicht den erhöhten Einbruchschutz vergessen, den Rollläden bieten. Ein Einbrecher hat bei den eingesetzten flexiblen Alurollläden keinen Ansatzpunkt für einen Hebel. Er kann nicht genügen Kraft ausüben.

Einbruchschutz und das Erfüllen der Energievorschriften sind also bei einem Sonnen-schutz ein Muss, genauso wie er selbst bei jeden Gebäude unabdingbar ist.

T.L.: Jedes Gebäude braucht ein Sonnenschutzkonzept. Das scheinbar banale technische Thema Verschattung wird weltweit auf erstaunlich vielfältige Weise umgesetzt – oder gar nicht gelöst. Ich persönlich bin zur Überzeugung gelangt, dass Sonnenschutz eine komplexe kulturelle Frage ist. Der Sonnenschutz verrät unsere Weltanschauung: Was ist unsere Vorstellung von Baukultur, Ästhetik und Intimität, was ist unser Bezug zu Klima und Natur? Knickarmmarkisen erhalten zum Beispiel die freie Aussicht bei perfekter Beschattung.

H.R.: Die Architektur lebte zu der Zeit, aus der dieses Haus stammt, davon, dass man keine Energievorschriften einhalten musste. In den südlichen Ländern, in denen es heisser ist als hier, gab es dagegen schon immer Rollläden.

Wie haben wir in in Zukunft noch zu erwarten?

T.L.: Das Fenster ist das Herz jeder Fassade. Beim «Hightech-Team» Glas und Sonnenschutz gibt es noch viel Entwicklungspotenzial. Gerade weil technisch alles möglich ist, kommen wir heute nicht darum herum, uns für eine kulturelle Lebenshaltung zu entscheiden. Mit welchem Ausblick wollen wir leben und arbeiten? ●

«Ich bin der Überzeugung, dass Sonnenschutz eine kulturelle Frage ist.» Tibor Lamoth
«Rollläden sorgen für ein angenehmes Raumklima und sind ein hervorragender Einbruchschutz.» Hansjörg Rufer
Rufalex Rollladen-Systeme AG
Rufalex Rollladen-Systeme AG
Für die Sanierung wurde das Architekturbüro Lamoth Architekten von «effienergie» für den besten Vorher-Nachher-Effekt mit dem 3. Rang ausgezeichnet.
Rufalex Rollladen-Systeme AG
In Wilen wurden die geschäumten Aluminiumprofile «Economic 37» verbaut. Fotos: Tibor Lamoth, Hansjörg Rufer und Uwe Guntern
Rufalex Rollladen-Systeme AG
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