Nachhaltige Lebensqualität
Aussenräume prägen unseren Alltag in grossem Masse. Oft sind wir uns dessen kaum bewusst.

Bei Aussenräumen fallen uns zunächst Extreme auf: Der Duft von Lindenblüten mitten in der Stadt, die Amsel, die unbeeindruckt vom Feierabendverkehr ihr Lied singt, die plötzliche Stille im Stadtpark.In unserer Alltagsrealität gibt es kaum mehr eine Landschaft, die nicht durch Menschen beeinflusst, gestaltet, gedacht wurde. Unsere Faszination und Bewunderung für die Geschichte der Landschaftsarchitektur ist ungebrochen, und unser Nachdenken über Aussenräume knüpft an die Fülle dieses kulturhistorischen Wissens an. Wir bringen es zusammen mit den Anforderungen und Ansprüchen unserer modernen Gesellschaft – und mit unserem Willen, nachhaltig Lebensqualität für die nächsten sieben Generationen sicher zu stellen.
In unserer täglichen Arbeit als Landschaftsarchitekten sprechen wir bevorzugt von «Aussenraum» und nicht von «Umgebung». Das Leben in der Stadt spielt sich in und zwischen den Häusern ab, in Innenräumen und in Aussenräumen. Diesem Leben möchten wir als Landschaftsarchitekten mehr bieten als eine «Umgebung».
Denn – sorgfältig gestaltete Aussenräume lassen uns mitten im Alltag aufhorchen. Sie bieten uns kurze Momente der Besinnung und der Erinnerung daran, dass auch wir Menschen Teil der Natur sind. Sie berühren uns in ihrer Stimmigkeit und Schönheit.
Urbane Landschaft
In der Schweiz beschäftigt uns die urbane Landschaft. Diese endet nicht an Eigentums- oder Landesgrenzen. Die Beschäftigung mit ihr bedeutet Gestaltung von Aussenräumen, die gesellschaftspolitischen Wertvorstellungen und Prozessen unterworfen sind. Urbane Landschaft als komplexes Gebilde über Zeitspannen hinweg bringt lebensweltliche Fragestellungen hervor. Das vorhandene Wissen ist meist nicht gefestigt, und es ist unklar, worin die Probleme und der Handlungsbedarf bestehen. Dies erfordert Diskussionsbereitschaft und ein Bewusstsein dafür, dass Wünsche im Regelwerk der Gesetze oder Träume im unreflektierten Konsumverhalten untergehen können.
Angesichts der aktuellen Entwicklung unserer Politik und Umwelt, den Auswirkungen der sich ändernden Ökosysteme und der Suche nach neuen Ressourcen schaffen wir Standpunkte. Dabei wenden wir uns absichtlich nicht technischen Problemen und Lösungsmöglichkeiten zu, sondern fragen nach dem Wert des Aussenraumes für die Gesellschaft. Zum Beispiel erörtern wir, weshalb wir die Landschaft entschleunigen müssen, wo wir weshalb intensiv oder extensiv agieren oder investieren wollen und wo sichtbare und unsichtbare Auswirkungen von urbanen Landschaften stören oder sogar Schaden verursachen. Unsere Leistung ist Gestaltung von Landschaften, aber auch das auslegende Verstehen von Untersuchungen. Die komplexen Zusammenhänge in urbanen Landschaften werden rational in nachvollziehbaren Gedankenfolgen, aber auch intuitiv erfahrungsbezogen ausgelotet.
Was bedeutet dagegen das Entwerfen einer Stadtlandschaft? Die Suche nach einem städtebaulichen Entwicklungskonzept führt uns zur Erkundung räumlicher Grenzen und zur Auslotung der Ränder in der Stadt. Und sie führt uns zu grundsätzlichen Fragen. Stadtlandschaften sind Ausdruck der gesellschaftlichen Entwicklung. Wie stellen wir dem Raum zur Verfügung, was sich entwickeln will? Es sind Fragen nach Formen und Inhalten. Wir wollen das System gedanklich erfassen, das Innen und das Aussen gleichzeitig denken, auf verschiedenen Ebenen, in verschiedenen Dimensionen und Massstäben denken, Gebäudekörper und Freiräume gegenüberstellen. Wir versuchen die Frage nach dem Raum, den ein Platz in der Stadt benötigt, mit der Frage nach dem Raum, den ein Wald in der Landschaft benötigt, zu beantworten. Welche Aufgaben übernehmen die Aussenräume in der Stadt? Welche Eigenschaften müssen sie haben, und welchen Anforderungen müssen sie genügen? All diese Frage beeinflussen und leiten uns bei unserer Arbeit.


