Synthese aus Funktion und Eleganz
Der neue Wasserturm in Gasperich in Luxemburg behauptet sich mit eindrücklicher visueller Präsenz gegenüber der umliegenden Bebauung – am Tag und in der Nacht.

Eine ausgezeichnete Trinkwasserqualität hat in der Bevölkerung einen sehr hohen Stellenwert, da das Trinkwasser direkt aus natürlichen Quellen und ohne weitere chemische Behandlung zu den Verbrauchern gelangt. Wassertürme gewährleisten durch die Bevorratung grosser Wassermengen den freien Zugang zu sauberem Trinkwasser. Insofern stellen die Türme ein gebautes «Versprechen» der kommunalen Wasserversorger an die Verbraucher dar.
Ausserhalb der Stadt Luxemburg gelegen, entsteht der neue Stadtteil Ban de Gasperich, neue Heimat für eine Vielzahl von Gebäuden und Nutzungen. Frühe Erhebungen zeigten, dass die Kapazitäten des nahe gelegenen Wasserturms «Tubishaff» in Cessingen so mehr als ausgeschöpft und den Bau eines neuen Reservoirs unbedingt erforderlich machen würden.
Aus dem folglich ausgelobten Architekturwettbewerb für einen Turmneubau war 2013 das Architekturbüro Atelier d’Architecture et de Design Jim Clemes S. A. (seit Oktober 2017 Jim Clemens Associates) aus Esch-sur-Alzette hervorgegangen. Der Entwurf umgibt den funktionalen Kern des Wasserturms mit einem dynamisch wirkenden Geflecht aus flachen, weiss beschichteten Aluminiumbändern, das in einem Abstand von etwa 50 cm die Betonwand elegant umschmeichelt.
Klarheit und Frische durch kühles Weiss
Die Anstrahlung des Turms erfolgt aus einer bodennahen Position und belegt die Gebäudehülle mit einem weichen Lichtschleier, der das Objekt in all seinen Facetten und Dimensionen erlebbar macht. Die Lichtfarbe spielt hierbei eine tragende Rolle.
Die Assoziation mit Erfrischung durch kühles Wasser war dabei der konzeptionelle Ausgangspunkt der Überlegungen. Die Farbe Weiss steht in unserem Kulturkreis für Reinheit und unverfälschte Natürlichkeit. So entstand die Idee, die gewebte Fassade in der Nacht mit kaltem weissem Licht von 6500 K zu illuminieren. Im Kontext des vorwiegend warmtonigen Umgebungslichts hebt sich der Wasserturm durch den erhöhten Blauanteil im Lichtspektrum in seiner makellosen Frische hervor – mehr durch seine Assoziativfarbe als durch seine vordergründige Helligkeit.
Konzentrische Ringe aus Licht
Die für die Aussenbeleuchtung verwendeten LED-Scheinwerfer sind mit RGBW-Platinen bestückt. So können mittels einer programmierten Ansteuerung neben der «sinnstiftenden» weissen Illumination zu bestimmten Uhrzeiten oder besonderen Anlässen monochromatische, farbige Lichtszenen, Farbverläufe oder auch Lichtanimationen erzeugt werden.
Gestaffelt in drei verschiedenen Abstandsbereichen sind 24 LED-Scheinwerfer konzentrisch um den Turm angeordnet. Im gebäudenahen Bereich befindet sich der innere Leuchtenring, angeordnet in einem Abstand von etwa 5,5 Meter um den Umriss des Reservoirs. Hier sind Leuchten mit breit strahlender Lichtcharakteristik für eine weiche, ansatzlose Betonung des unteren Turmabschnitts vorgesehen. In einer Entfernung von etwa 8,5 bis 9,5 Meter sowie zwischen 14,5 Meter und 19,5 Meter liegen Strahler mit einer engeren (13°) bzw. sehr engen Lichtverteilung (8°) für die mittleren und oberen Fassadenzonen.
Durch diese fein kalibrierte Abstufung entstand nach einer präzisen und stufenlosen Feinausrichtung der Leuchten eine allseitig wirksame, erstaunlich homogene Lichtpräsenz, deren Streulicht in den Luxemburger Himmel so auf ein Maximum von 3 Prozent reduziert werden konnte.
Trotz unterschiedlicher Abstrahlungscharakteristiken handelt es sich um durchgehend baugleiche Aussenraumstrahler. Durch ein modulares Wechselsystem aus Vorsatzlinsen werden die erforderlichen Ausstrahlungswinkel generiert, ohne eine Vielzahl von Leuchtentypen mit verschiedenen Wartungsroutinen und Ersatzteilen zu etablieren.
Mit diesen Massnahmen ist ein magisches Zusammenspiel aus Fassadenmaterialität und Lichtpoesie entstanden, das die Funktion des Gebäudes sensorisch erfahrbar macht und eine geradezu textile, strukturierte Nachtanmutung schafft. Weithin sichtbar in diesem stark frequentierten Gebiet empfiehlt sich der Wasserturm als Landmarke, die durch ihre visuelle Frische Aufmerksamkeit erzeugt und dem geneigten Beobachter von ihrem kostbaren Inhalt erzählt. ●




