Das hellste Licht gewinnt nicht immer
Künstliches Licht ist allgegenwärtig und aus unseren urbanen Landschaften kaum noch wegzudenken. Dabei lässt sich ein unübersehbarer Trend erkennen: Es wird immer heller.

Eine andere Art «Wow-Effekt»
«Statt auf viel Licht und Farbe setzen wir auf Harmonie und Eleganz», betont Katja Schiebler, die im Lichtplanungsbüro Peter Andres in Hamburg massgeblich an der Entwicklung neuer Lichtsysteme für spezielle Herausforderungen mitwirkt. «Dadurch erzielen wir eine andere – und wie wir finden – angenehmere Art des ‹Wow-Effekts›.»
Jede Lichtquelle wurde hier strategisch platziert, Funktion und Wirkung mit Blick auf die Gesamtwahrnehmung wurden genau berechnet. Auf jeder Etage betonen leicht schräg nach oben ausgerichtete Leuchten die Aussenkanten der Gebäude, während speziell entwickelte und angepasste Leuchten Nischen und Zwischenräume sanft erhellen, ohne selbst sichtbar zu sein. Dazu setzen die Mastleuchten, die den Vorplatz des «Triple» illuminieren, einen wirkungsvollen Akzent, da die Lichtpunkthöhen trotz abfallendem Geländeverlauf in gerader Linie parallel zur Decke des Erdgeschosses liegen und dadurch die elegante Symmetrie des Gebäudeensembles unterstreichen. Die hohe Entblendung der eigens für das Projekt angepassten Leuchten gewährleistet beim Parkplatz- und Zufahrtsbereich eine blendfreie Beleuchtung, die hier durch Poller und Sonderleuchten ergänzt wird, ohne dass dabei Licht auf die dunkle Natursteinfassade fällt. Ebenso wurden die mieterunabhängigen, öffentlichen Bereiche so geplant, dass lediglich die dezent ausgeleuchteten Raumvolumina nach aussen wirken, ohne den Blick auf die einzelnen Lichtsysteme zu ermöglichen. Selbst die von aussen durch die Fassade sichtbaren Lichtquellen der Büroräume wurden ins Konzept einbezogen und an die Komponenten der Aussenbeleuchtung angepasst, sodass der Gesamteindruck nicht durch einzelne, zu helle Lichtpunkte gestört wird.
Warmes Licht, das mit Qualität überzeugt
Unabhängig von der Grösse des Bauvorhabens setzen Architekten im Bereich der Beleuchtung heute zunehmend auf die Unterstützung von Lichtdesignern, die ihr technisches, wahrnehmungspsychologisches und gestalterisches Wissen in die Anforderungen an die Beleuchtung einbringen. Gerade die Zurückhaltung der Beleuchtung ist es, durch die der Anblick des «Triple» bei Nacht die Betrachter für sich einnimmt. Denn hier wurde mit grosser Rücksicht auf die Wahrnehmung des menschlichen Auges gearbeitet, das in den Abend- und Nachtstunden besonders empfindlich auf Licht reagiert. «Bei uns steht in erster Linie der Mensch im Fokus», erklärt Katja Schiebler. «Am Abend wünschen wir uns ein warmes Licht, wie wir es vom Feuer kennen, an das wir uns im Laufe der Evolution gewöhnt haben. Gleichzeitig sehnen wir uns danach, den Raum um uns herum wahrnehmen und seine Grenzen erkennen zu können, denn das gibt uns Sicherheit. Unsere Aufgabe als Lichtplaner ist es deshalb, eine Lichtqualität zu schaffen, die beides erfüllt. Beim ‹Triple›-Ensemble haben wir ausschliesslich mit warmen Lichtfarben gearbeitet, die aber alles Wichtige mit einbeziehen. Dadurch hebt sich das ‹Triple› wohltuend von den umliegenden Gebäuden ab.» Somit bestätigt der «Triple»-Komplex mit seinem Lichtkonzept eindrucksvoll die Faustregel, die Künstler, Designer und Architekten schon seit Beginn des 20. Jahrhunderts kennen: Weniger ist oft so viel mehr. ●

