Die heiligen Säulen der Nachhaltigkeit
«Les Vergers» gilt als eines der grössten und innovativsten Wohnprojekte der Schweiz. Es deckt seinen Energiebedarf autark und ist auch in sozialer Hinsicht ein Vorzeigequartier.

Hybrid- statt Massivbau
«Les Vergers» gilt als eines der grössten und innovativsten Wohnprojekte der Schweiz. Das autarke Vorzeigequartier deckt nicht nur seinen Energiebedarf selbstständig. Auch in Sachen sozialer Nachhaltigkeit leuchtet es anderen Projekten den Weg. Auf den heiligen drei Säulen ragen die beiden neunstöckigen Längsbauten des Büros Labac mit total 188 Wohnungen, mehr als 10 Gemeinschaftsräumen und Ateliers besonders heraus. Gemeint sind die Säulen der Nachhaltigkeit: soziale Solidarität, ökologische Verantwortung und wirtschaftliche Effizienz. Bereits beim Konstruktionsprinzip beginnt es.
Obwohl im ausgeschriebenen Wettbewerb Massivbauten gewünscht waren, konnte man auf den Skizzen des Büros Labac schon in der Wettbewerbsphase ein Skelett aus Beton und eine Fassade aus Holz ausmachen. Die Idee des hybriden Bauens – überzeugend vorgetragen – fiel bei den Verantwortungsträgern der beiden Baugenossenschaften Codha und Voisinage auf guten ökologischen Grund. Die soziale Säule entwickelte sich nicht nur in den Köpfen der Architekten. Auch das Pflichtenheft, mitverfasst von den künftigen Bewohnenden, verlangte nach besonderen kommunalen Lösungen. So nahmen «überdimensionierte Gemeinschaftsräume mit bioklimatischer Funktion» Gestalt an: von der Kletterwand über das Gewächshaus, die Herberge, den Musiksaal, die Gewerbeateliers bis zum partizipativ organisierten Supermarkt und zu weiteren Gemeinschaftsräumen. Sogar Cluster-Wohnungen mit sechs Wohneinheiten wurden wunschgemäss realisiert.
Eine Herzensangelegenheit
Der zweistufige Wettbewerb war für das Büro Labac eine Herzensangelegenheit, nachdem man bereits ähnliche Projekte entwickelt hatte. Das Thema Holz ins Spiel zu bringen, erwies sich als hilfreich. Ein Besuch der beiden Baugenossenschaften im Renggli-Werk in Schötz war während der Projektentwicklung für die Entscheidungsträger und die mitgereiste Delegation künftiger Bewohnenden weichenstellend. Diese waren, wie erwähnt, im gesamten Bauprozess stark involviert und engagiert.
Das genossenschaftliche Interesse war so gross, dass die Architekten vor Ort sogleich einen «espace chantier» einrichten liessen: ein Pionierkonzept des Büros Labac mit einer Baustelleninstallation und einer Mischung aus Infocenter, Konzertareal, Znüniplatz und Gemeinschaftsgarten. Kollektive Räume zu schaffen und um diese herum Wohnungen zu gruppieren, war zugleich eine Leitidee für das gesamte Projekt.
Ein echter Knackpunkt war die Finanzierung. Als die Säulen «soziale Solidarität» und «ökologische Verantwortung» konzeptionell vorbildlich abgedeckt waren, musste auch die «wirtschaftliche Effizienz» gewährleistet sein. Doch wer mit der geringen grauen Energie, der hohen Fertigungsqualität, der Schnelligkeit im Aufbau und der Dauerhaftigkeit von Holz rechnet, kommt auch bei dieser Säule auf ein erfreuliches Resultat. Nun darf man positiv darauf gespannt sein, wie sich dieses «vertical village» zunehmend mit Leben füllt.
Bautafel
Projekt«Les Vergers»
Bauherrschaft Genossenschaften Codha und Voisinage
Architektur Labac architectures et espaces chantiers (vormals Bellmann Architectes)
Engineering im Bereich Statik Renggli AG
Baustandard Minergie-A-P-Eco
Konstruktion Hybridbau
Fassade Faserzementplatten Eternit Linearis
Nutzung Wohnungen
Holzbau Renggli AG




