Tickt wie seine Umgebung: das Hotel in Saint-Imier als bewusster Entscheid für den Holzbau
Im Inventar der Ortsbilder der Schweiz (ISOS) taucht Saint-Imier als Ort von nationaler Bedeutung auf. Das führte 2016 zur Frage: Wie baut man im baulichen Kontext der Uhrenindustrie des 19. Jahrhunderts ein modernes Hotel?

Alles andere als im Takt einer Schweizer Uhr verlief das Bauvorhaben des in der Region lange ersehnten Hotels in Saint-Imier. Was 2016 begann, zog sich über Jahre schleppend dahin, um acht Jahre später in atemberaubendem Tempo seiner Vollendung entgegenzufliegen. Das ursprünglich vorgesehene Baugelände befand sich gleich neben dem Bahnhof – ein idealer Standort für Reisende. Doch dann stellte sich heraus, dass das Terrain mit Blei und Kohlenwasserstoff kontaminiert war – für einen Hotelbetrieb unhaltbar. Die Bauherrschaft liess sich von ihrer Vision aber nicht abbringen, in Saint-Imier mit der Marke Hota Hotels den Start einer neuen Hotelkette zu wagen.

Nachhaltigkeit öffnet Türen und schafft Synergien
Der Mangel an Übernachtungsmöglichkeiten ärgerte den Tourismus und das Gewerbe in der Region schon seit Langem. Es lag im vitalen Interesse der Gemeinde, alle politischen Hebel für einen neuen Standort in der Nähe des Bahnhofs in Bewegung zu setzen. Das nachhaltige Konzept des viergeschossigen Holzbaus und der Bewirtschaftung mit regionalen Lieferantinnen und Lieferanten war dabei ein erfolgreicher Türöffner. Das Hotel ist inzwischen ein Partnerunternehmen des Parc-Chasseral-Labels. Dieses zeichnet die Natur und die Ursprünglichkeit des Berner Juras aus und ist ebenso ein regionaler Stützpunkt für den Tourismus rund um den Grand Chasseral. Darüber hinaus engagiert es sich aktiv für Nachhaltigkeit und hat dafür das Label «Swisstainable Level II – Engaged» erhalten. Kurz: Das Hota Hotel ist rundum ein Gewinn für die Region. Nicht zuletzt deshalb, weil das Architekturkonzept die bauliche DNA dieses Ortes, der im Inventar der Ortsbilder der Schweiz (ISOS) als typischer Standort der Schweizer Uhrenindustrie gewürdigt wird, perfekt widerspiegelt.
Gemäss Architekt Gilles Marchand war denn auch die harmonische Integration eines neuen Gebäudes in eine historische Stätte die grösste Herausforderung bei diesem Projekt. Es ist ihm gelungen, die kompakte und repetitive Architektur der urtümlichen Uhrenmanufakturen und Wohngebäude auf zeitgemässe Weise neu zu interpretieren. Geschätzt hat Gilles Marchand zudem, dass die Renggli-Mitarbeitenden Wissen und Erfahrung des Holzbaus mit dem Engineering zusammengebracht haben und er deshalb nur eine einzige Ansprechperson für alle Fragen hatte. Gerade die Anforderungen an Brandschutz, Schallschutz und Statik (Erdbebensicherheit) sind bei Hotels naturgemäss sehr hoch und benötigen eine rechtzeitige Planung und gute Zusammenarbeit aller Beteiligten.
Bewusster Entscheid für Holzbau
Die Bauherrschaft wollte ein Projekt realisieren, das dem Zeitgeist entspricht und rundum ökologische Grundsätze verfolgt. Die Holzsystembauweise mit hohem Vorfertigungsgrad war in jeder Hinsicht ein Gewinn. So benötigte der Aufbau pro Etage lediglich zwei Wochen. Die Badezimmer etwa kamen fixfertig ausgebaut auf die Baustelle – sogar die Toilettenbürsten waren schon an ihrem Platz. Der Name Hota entspringt übrigens dem jurassischen Dialekt und lässt sich als «Wärme» und «Behaglichkeit» interpretieren.

In Renggli hat die Bauherrschaft die gewünschte Ansprechpartnerin gefunden, die diese Vision mit umfassendem Holzbau-Know-how von A bis Z begleiten konnte – mit Erfolg.

