Dialog zwischen Historie und zeitgenössischer Vision
Giovanni Mecozzi Architetti haben im italienischen Ravenna eine historische Wohnstätte umgestaltet. Die neue Architektur offenbart historische Räume, die durch imposante Möbelstrukturen mit vielfältigen Funktionen neu definiert werden. Intensive Farben erinnern an die frühchristlichen und byzantinischen Mosaike aus der Geschichte der Stadt.

Wenn man den Bahnhof und den Hafen von Ravenna hinter sich lässt und entlang der Via Armando Diaz in Richtung der antiken Basilika San Vitale geht, befindet sich nur wenige Schritte von der Piazza del Popolo entfernt die Casa Guaccimanni aus der Renaissance. Dieses wunderschön erhaltene Haus aus dem 15. Jahrhundert verfügt über Fresken aus dem 16. Jahrhundert mit Stadt- und Landschaftsmotiven sowie Holzdecken im neoklassizistischen Stil.

Einst war es das Zuhause der Künstler Vittorio und Alessandro Guaccimanni. Heute wird es für das Gastgewerbe genutzt. Die inzwischen «Gironda» genannte Residenz wurde von ihrer letzten Besitzerin, Emanuela Docimo, gegründet. Sie hat die Historie des Gebäudes, zeitgenössisches Wohnen und neue Formen der Gastlichkeit gekonnt in Einklang gebracht.
Das Renovierungs- und Umbauprojekt des Adelsgeschosses der Casa Guaccimanni wurde von Giovanni Mecozzi Architetti geplant.
Beim Betreten des Gebäudes und Erreichen des ersten Stockwerks gelangt man über einen grosszügigen, quer durch das gesamte Gebäude verlaufenden Flur in die neue Wohnung. Dieser Flur verbindet den Balkon zur Hauptstrasse im Norden mit der Loggia, die sich zum Garten im Süden hin öffnet. Entlang dieses lichtdurchfluteten, mit dekorativen Elementen verzierten Korridors befinden sich fünf funktionell bedeutende Räume. Dazu gehören die als Gemeinschaftsraum konzipierte Küche, die Veranda und die drei neu als unabhängige Suiten konzipierten Schlafzimmer. Neben dem eigentlichen Schlafbereich umfassen diese auch verschiedene Funktionen wie Badezimmer, Saunen, begehbare Kleiderschränke, Leseecken, Heimkinos und Yogastudios. Die Eingriffe basieren auf dem Prinzip der vollständigen Reversibilität: Die selbsttragenden Strukturen und Einrichtungsgegenstände bewahren damit die Integrität des historischen Gebäudes und seiner dekorativen Elemente.


Sorgfältig abgestimmt
Die Gestaltung der drei Zimmer sowie der Küche steht in einem besonderen Dialog mit den historischen Merkmalen der Residenz, was mit zahlreichen Designerstücken unterstrichen wird, um jedem Raum seine einzigartige Identität zu verleihen. Der goldene Raum, der blaue Raum und der grüne Raum sind jeweils durch lebhafte Farben gekennzeichnet. Dadurch lässt jeder Raum seinen unverwechselbaren Charakter und sein dynamisches Interieur erahnen.

Das Projekt von Giovanni Mecozzi Architetti erzeugt einen besonderen Dialog zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Die Farben Gold, Blau, Grün und Rot, kombiniert mit glänzenden Glasfliesen und vergoldeten Blechen, definieren die Bildsprache, aus der die Räume neu gedacht und gestaltet wurden. Diese Räume sind in ihrer Gliederung, Lichtverteilung und Boden- und Deckendekorationen sorgfältig abgestimmt. Das Projekt kombiniert monochrome Volumen mit primären Formen und erinnert an eine neoplastische Abstraktion, während die Funktionalität für das zeitgenössische Wohnen erhalten bleibt. Eine fachmännisch kuratierte Auswahl an Möbeln von Atelier Biagetti – Designer und Architekt Alberto Biagetti und Künstlerin Laura Baldassarri – verleiht dem Ganzen einen poppigen, ironischen und theatralischen Stil und unterstreicht die Atmosphäre mit der charakteristischen Ästhetik des Duos.

Der Entwurf von Giovanni Mecozzi Architetti schafft eine positive Beziehung zur historischen Residenz, die durch einen kontinuierlichen Dialog zwischen architektonischer Erinnerung und zeitgenössischer Vision entstanden ist, wobei jedes Detail zur Stärkung der Identität des Ortes beiträgt. ●
