Bestens behandelt
Das hochmoderne Universitätskrankenhaus in Aarhus nimmt hinsichtlich «heilender Architektur» national wie international eine Vorreiterrolle ein.

Das von C.F. Møller mit Cubo Arkitekter geplante Universitätsklinikum Aarhus erweitert den bestehenden Kliniktrakt zu einem ganzheitlich organisierten Gesundheitscampus. Als Universitätsklinikum vereint es Maximalversorgung, regionale Schwerpunktmedizin und Grundversorgung unter einem Dach und steht exemplarisch für die komplexen Anforderungen zeitgemässer Gesundheitsbauten. Als beispielhafte Umsetzung von «Healing Architecture» geht der Entwurf über eine rein funktionale Krankenhausplanung hinaus und versteht Architektur als aktiven Bestandteil des Heilungsprozesses.
Städtebauliches Konzept als Organisationsprinzip
Ausgehend vom Bestandsgebäude wurde die neue Bebauung in zwei- und dreigeschossigen Backsteinstrukturen entwickelt, ergänzt durch höhere, helle Baukörper im Zentrum.
Der architektonische Aufbau folgt der Logik einer Stadt: Eine klare Hierarchie aus «Quartieren», «Strassen» und zentralen Plätzen dient der Struktur und schafft ein identitätsstiftendes Zentrum. Dieses Prinzip überträgt urbane Qualitäten in den Gesundheitsbau und fördert Orientierung, Aufenthaltsqualität und soziale Interaktion.
Der Gesamtkomplex ist in Fachbereiche gegliedert, die jeweils aus drei Kernelementen bestehen:
– einem zweigeschossigen Sockel mit Diagnostik- und Behandlungsbereichen,
– darüberliegenden viergeschossigen Bettenstationen,
– sowie einem zentralen Ankunfts- und Begegnungsraum («Forum») mit öffentlichen Funktionen.
Im Forum bündeln sich Empfang, Konferenzbereiche sowie Serviceangebote. Diese öffentliche Zone fungiert als Schnittstelle zwischen Klinik und Stadtgesellschaft und stärkt die Transparenz des Gesundheitsbaus.
Orientierung als Stressprävention
Komplexe Krankenhausstrukturen erzeugen häufig Unsicherheit – insbesondere bei vulnerablen Nutzendengruppen. Im Universitätsklinikum wird Orientierung daher als gesundheitsrelevanter Faktor verstanden. Klare Wegeführungen, farbliche Markierungen, differenzierte Baukörper und die Kombination aus Architektur, Kunst und digitalen Informationssystemen bilden ein kohärentes Leitsystem.
Diese Lesbarkeit der Struktur reduziert kognitive Belastung und unterstützt in Behandlung befindliche Personen und Angehörige dabei, sich selbstständig im Gebäude zu bewegen. Der Einsatz von «Healing Architecture» zeigt sich hier nicht im spektakulären Einzelobjekt, sondern in der durchdachten Organisation des Alltags. Es berücksichtigt damit nicht nur physiologische, sondern auch psychosoziale Aspekte der Genesung. Begegnung, Teilhabe und soziale Unterstützung werden hierbei räumlich ermöglicht.
Ein wesentliches Element von «Healing Architecture» ist der gezielte Einsatz von Tageslicht. Die Organisation der Einbettzimmer, transparente Erschliessungszonen und durchlässige Raumfolgen sorgen für eine gleichmässige natürliche Belichtung. Studien belegen, dass Tageslicht den circadianen Rhythmus stabilisiert, das Wohlbefinden steigert und die Genesungsdauer positiv beeinflussen kann.
Arbeitsumgebung und Flexibilität
Ein heilungsförderndes Umfeld betrifft nicht nur die Personen in Behandlung. Auch das medizinische Personal profitiert von klar strukturierten Funktionsabläufen, kurzen Wegen und gut belichteten Arbeitsbereichen. Optimierte Arbeitsbedingungen reduzieren Stress und Fehleranfälligkeit und leisten damit indirekt einen wesentlichen Beitrag zur Behandlungsqualität.
Die flexible Gebäudestruktur erlaubt Anpassungen an neue medizinische Technologien und Organisationsformen. Ein zukunftsfähiger Gesundheitsbau bleibt langfristig leistungsfähig, ohne seine räumliche Qualität zu verlieren.
Die Einbettung in grosszügige Grünanlagen ist integraler Bestandteil des Konzepts. Neu angelegte Regenwasserseen und naturnahe Erholungsflächen stehen den Personen in Behandlung, Mitarbeitenden sowie Besuchenden offen. Innenhöfe fungieren als geschützte Gartenräume in unmittelbarer Nähe zu den Stationen und fördern Ruhe, Regeneration und informelle Begegnung.
Damit wird die Landschaft selbst zum therapeutischen Element und erweitert den klassischen Funktionsrahmen eines Krankenhauses um qualitätsvolle Aufenthaltsräume.
Nachhaltigkeit und technische Infrastruktur
Das Universitätsklinikum ist als Niedrigenergiegebäude konzipiert. Eine Photovoltaikanlage mit einer Fläche von über 3300 Quadratmetern erzeugt jährlich rund 500 000 Kilowattstunden an elektrischer Energie. Ergänzend dazu umfasst das Nachhaltigkeitskonzept ein System zur Vorreinigung von Klinikabwässern, um medizinische Rückstände zu filtern, bevor sie in den Wasserkreislauf gelangen. Diese Massnahmen zeigen, wie ökologische Verantwortung, technische Infrastruktur und medizinische Versorgung in einem zukunftsorientierten Gesundheitsbau miteinander verknüpft werden können.
Das Universitätsklinikum Aarhus demonstriert, dass «Healing Architecture» keine additive Gestaltungsstrategie ist, sondern ein integrativer Planungsansatz. Licht, Landschaft, Orientierung, soziale Räume und funktionale Effizienz greifen ineinander und formen eine Umgebung, die Heilung aktiv unterstützt.
Der Bau zeigt damit exemplarisch, welche Möglichkeiten es heutzutage in der Gesundheitsarchitektur gibt. ●
