Brücken schlagen

Verbindungsbrücken in Spitälern sorgen für kurze Wege und Infrastrukturen mit. So auch die von «caspar.» und der Werner Sobek AG entworfene Brücke Städtisches Klinikum Karlsruhe. Das Bauwerk lebt neben seiner Funktion von seiner eigenen, ausgeprägten Ästhetik.

Die Tragwirkung wird über gabelartige Stützen organisiert. (Bild: HGEsch)

Eine neue Brückenstruktur verbindet das Städtische Klinikum Karlsruhe mit seinem Helipad und der gegenüberliegenden Helios Klinik für Herzchirurgie. Über ihre funktionale Aufgabe hinaus etabliert sie sich als eigenständiges architektonisches Element im Stadtraum und formuliert eine prägnante bauliche Geste.

Die rund 80 Meter lange Konstruktion überspannt die breite Franz-Lust-Strasse sowie die darunterliegenden Strassenbahngleise und tritt damit bewusst in den öffentlichen Raum. Ihre Linienführung folgt einer sanften S-Kurve, die dem Bauwerk Dynamik und Leichtigkeit verleiht. Der weiss gefasste Fachwerkkastenträger bildet das konstruktive Rückgrat der Brücke. Seine klare Tragstruktur bleibt ablesbar und prägt die architektonische Erscheinung massgeblich.

Deutliche Verbesserungen

Die Tragwirkung wird über gabelartige Stützen organisiert, die auf beiden Seiten der Strasse sowie am Helipad ansetzen. Diese verbinden konstruktive Präzision mit einer skulpturalen Qualität. Ihr verzweigtes «Geäst» ist statisch begründet – es ermöglicht eine stützenfreie Überspannung des Verkehrsraums – und entfaltet zugleich eine besondere Ästhetik. Im Dialog mit den bestehenden Platanen entsteht so eine subtile Analogie zwischen gebauter Struktur und gewachsener Form. Die leichte Krümmung der Brücke reagiert sensibel auf den Baumbestand und integriert die vorhandene Allee in das architektonische Konzept, anstatt sie zu verdrängen.

Die Fassadengestaltung unterstützt diesen Ansatz einer zurückhaltend-prägnanten Erscheinung. Weisse Streckmetallelemente mit variabler Perforation bilden eine transluzente Hülle, die zwischen Offenheit und Schutz vermittelt. Je nach Lichtsituation verändert sich ihre Wirkung: Im Gegenlicht oder bei nächtlicher Beleuchtung tritt die filigrane Konstruktion deutlich hervor, während Bewegungen im Inneren nur schemenhaft wahrnehmbar bleiben. Die Brücke erscheint dadurch tagsüber leicht und technisch präzise, nachts hingegen als schwebendes, sanft leuchtendes Band im Stadtraum. «Wir wollten und mussten einerseits hochpräzise und äusserst funktional planen, während wir andererseits eine Ästhetik kreierten, die sich direkt aus dem Unmittelbaren, dem Funktionalen ergab. Und die darüber hinaus unterschiedliche Facetten bei Tag und bei Nacht entfaltet», erklärt Caspar Schmitz-Morkramer.

Die deutliche räumliche und organisatorische Optimierung durch das neue Bauwerk ist offensichtlich. Wo zuvor ein umständlicher, mehrfach gebrochener Weg über Aufzüge, Rettungsfahrzeuge und Strassenquerungen erforderlich war, schafft die neue Struktur eine direkte, lineare Verbindung auf erhöhter Ebene. Die architektonische Lösung transformiert damit nicht nur Abläufe, sondern ordnet den Raum neu – effizient, klar und mit hoher gestalterischer Qualität. So funktioniert Lebensrettung am Reissbrett und in der Praxis. ●

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