Mit Hang zum Plus

In Weiach haben BE Architektur einen Neubau konzipiert, der die Hanglage strukturell nutzt. Eine im Dach integrierte PV-Anlage produziert zudem wertvolle elektrische Energie.

Die Hanglage wird als gestalterisches Leitmotiv genutzt. Fotos: Vito Stallone

Ein von BE Architektur entworfener Neubau in Weiach entwickelt sich konsequent aus der topografischen Situation seines steilen Hanggrundstücks. Die Hanglage wird dabei nicht nur akzeptiert, sondern als gestalterisches Leitmotiv genutzt und in eine räumliche Dramaturgie übersetzt: Im Inneren formt sich eine kontinuierliche, spiralförmige Raumsequenz.

Die Erschliessung erfolgt hangseitig auf Eingangsniveau, wo sich neben dem Zugang zum Gebäude auch die Garage befindet. Von diesem Punkt aus entfaltet sich über variierende Ebenen eine im Uhrzeigersinn verlaufende, sanft abfallende Raumlandschaft. Diese organisiert sich als Split-Level-System über zwei Geschosse und führt fliessend bis in den talseitig gelegenen Gartenbereich, wodurch Innen- und Aussenraum räumlich miteinander verbunden werden.

Der konstruktive Ausdruck des Gebäudes ist durch einen Betonrohbau geprägt, der Robustheit, Langlebigkeit und eine hohe Nutzungsneutralität vereint. Die Tragstruktur bleibt bewusst sichtbar und ermöglicht eine dauerhafte Anpassungsfähigkeit. Eine Holzschalung als hinterlüftete Fassadenkonstruktion, die langfristig anpassbar oder erneuerbar ist, kleidet das Gebäude schliesslich ein.

Flexibilität als Entwurfsprinzip

Die innere Organisation verzichtet weitgehend auf klassische, durch Wände definierte Raumabfolgen. Stattdessen entsteht die Zonierung primär durch die Höhenversprünge der Split-Level-Ebenen. So entsteht ein räumliches Ordnungsprinzip, das unterschiedliche Nutzungen subtil voneinander abgrenzt und gleichzeitig Offenheit bewahrt. Dadurch wird eine hohe Flexibilität über verschiedene Lebensphasen hinweg ermöglicht – ohne die Notwendigkeit, tragende oder nichttragende Innenwände anzupassen.

Im Gegensatz zu konventionellen Erschliessungskernen mit Geschosstreppen, die üblicherweise zwischen 10 und 16 Quadratmeter pro Ebene beanspruchen, integriert das podestartige Erschliessungssystem die vertikale Zirkulation unmittelbar in die Wohnfläche. Dies führt zu einer effizienteren Flächennutzung und erhöht den Anteil an tatsächlich nutzbarer Raumfläche.

Essbereich

Das architektonische Konzept folgt einer konsequenten Reduktionsstrategie: Das Gebäude wird auf seine konstruktive Grundstruktur – den rohen Beton – zurückgeführt. Durch den bewussten Verzicht auf zusätzliche Schichten wie Unterlagsböden, Trittschalldämmungen, Bodenbeläge oder Putzoberflächen werden Materialeinsatz und Ressourcenverbrauch minimiert. Diese radikale Einfachheit verleiht dem Haus nicht nur einen klaren Ausdruck, sondern unterstützt zugleich eine nachhaltige Bauweise.

Das podestartige Erschliessungssystem erlaubt die vertikale Zirkulation und dient der Erschliessung.

Mit Nachhaltigkeitsgedanken

Das Dach ist komplett als In-Dach-System mit Photovoltaikmodulen ausgestattet. Die Anlage produziert rund das Vierfache an Energie als das Gebäude zusammen mit dem Elektroauto verbraucht.

Die Anlage produziert dabei das Vierfache des Eigenbedarfs, der den Gebäudebetrieb und den Energieverbrauch für die Elektromobilität umfasst.

Das Dach ist komplett als In-Dach-System mit Photovoltaikmodulen ausgestattet.

Das Regenwassermanagement folgt einem gestalterischen Prinzip: Entlang der Gebäudekante wird das Wasser kontrolliert abgeführt und als sichtbares, wasserfallartiges Element über die «Schulter» des Baukörpers geleitet, bevor es auf dem Grundstück versickert. Damit wird ein technischer Prozess zugleich Teil der architektonischen Erscheinung.

Eine Erdsonde ermöglicht Beheizung und Free-Cooling. Die Wärmeverteilung erfolgt über thermoaktive Bauteilsysteme (TABS), welche die Speichermasse des Betons nutzen und so zu einem ausgeglichenen Raumklima beitragen. Ergänzt wird das System durch eine kontrollierte Wohnungslüftung mit Enthalpie-Wärmetauscher, die eine energieeffiziente Frischluftzufuhr sicherstellt.

Entstanden ist ein Wohnhaus, das einen mit Holz verkleideten Betonbau mit einem integralen Nachhaltigkeitsansatz verbindet. Die konsequente Verzahnung von Konstruktion, Energiegewinnung und Gebäudetechnik findet ihren Ausdruck nicht zuletzt in der Zertifizierung nach Minergie. ●

Wohnbereich
Küchenbereich
Einfachheit verleiht dem Haus einen klaren Ausdruck.
(Visited 61 times, 2 visits today)

Weitere Beiträge zum Thema

up to date mit dem
Architektur+Technik Newsletter
Erhalten Sie exklusive Trends und praxisnahe Innovationen mit Architektur+Technik –direkt in Ihr Postfach.
anmelden!
Sie können sich jederzeit abmelden!
close-link