Der perfekte Massanzug
Bei Teo Jakob in Winterthur entstehen Innenarchitekturprojekte von der ersten Idee bis zur Umsetzung. Den Weg dahin erklärt Jürg Brawand, Leiter der Innenarchitektur in Winterthur, im Interview.

Seit 16 Jahren leitet Jürg Brawand die Innenarchitektur-Abteilung der Teo Jakob Gruppe, welche er in dieser Zeit aufgebaut hat. Heute umfasst sein Team neun Mitarbeitende. Es bildet zugleich das Kompetenzzentrum für Innenarchitektur innerhalb des Unternehmens. Es begleitet in dieser Funktion Projekte für Privat- sowie Geschäftskundinnen und -kunden über alle Phasen hinweg und entwickelt Lösungen, die Gestaltung, Funktion und Nutzung in Einklang bringen.

Teo Jakob ist an verschiedenen Standorten präsent. So auch in Winterthur. Wie kam es zu dessen Entstehung?
Der Standort Winterthur entstand 2008. Damals erhielt ich die Anfrage, die Planungsabteilung innerhalb der Teo Jakob Gruppe aufzubauen. Zu dieser Zeit führte ich ein eigenes Unternehmen im Bereich Planung und Handel. Mich reizte die Möglichkeit, diese Dienstleistung in einem grösseren Kontext weiterzuentwickeln. Ich entschied mich, meine Firma einzubringen, um Kompetenzen zu bündeln und Kundinnen und Kunden früh im Prozess zu begleiten, noch bevor konkrete Einrichtungsentscheide anstehen. So konnten wir Innenarchitektur als eigenständige Kompetenz verankern.
Dem Standort Winterthur wird damit eine wichtige Funktion zuteil.
Er ist das Zentrum für Innenarchitektur und Möblierungsplanung bei Teo Jakob. Auf klassische Möbelausstellungen verzichten wir bewusst. Stattdessen arbeiten wir mit einer umfassenden Musterbibliothek. Die Räume erstrecken sich über zwei Geschosse. Im Erdgeschoss liegt der Fokus auf der Möblierungsplanung. Im Obergeschoss arbeitet das Team der Innenarchitektur. Diese klare Struktur schafft kurze Wege und fördert den Austausch im Projektalltag.
Wie gliedert sich ihr Standort in das Gesamtunternehmen ein?
Als Kompetenzzentrum für Innenarchitektur innerhalb von Teo Jakob unterstützen wir alle Standorte der Gruppe und arbeiten eng mit den Teams vor Ort zusammen. Viele Projekte entstehen in dieser Zusammenarbeit, vernetzt und mit einem gemeinsamen Anspruch an Qualität.

Wie zeichnet sich das innenarchitektonische Konzept in Winterthur aus?
Es folgt einem klaren Ansatz: Der Standort ist als Atelier konzipiert, nicht als klassische Ausstellung. Wir zeigen bewusst keine Möbel, sondern arbeiten mit einer breiten Auswahl an Materialien, Farben und Oberflächen. Im Zentrum steht der Entwurfsprozess. Der Raum ist ein Ort des Arbeitens, des Entwickelns und des Austauschs. Dieser Fokus war vor über 15 Jahren ein neuer Weg für ein Unternehmen, das auch Möbel anbietet. Bis heute prägt dieser unsere Haltung: Wir denken nicht vom Produkt her, sondern vom Raum und von den Bedürfnissen der Menschen, die ihn nutzen.
Wie reagieren die Besuchenden darauf?
Viele sind zunächst überrascht, dass sie bei uns keine Möbelausstellung vorfinden. Dieser erste Eindruck weicht jedoch rasch einem vertieften Verständnis für unseren Ansatz. Ohne vorgegebene Produkte entstehen andere Gespräche. Wir stellen gezielte Fragen und richten den Fokus konsequent auf den Raum, seine Nutzung und die Bedürfnisse der Menschen. Gemeinsam entwickeln wir Schritt für Schritt die passende Lösung. Am Anfang steht das «Rezept»: Wir definieren die richtigen Zutaten wie Raumstruktur, Materialien, Farben, Licht und Möblierung. Daraus entsteht Klarheit für die nächsten Schritte.
Auf dieser Basis planen, gestalten und realisieren Sie anschliessend.
Es entsteht der passende «Massanzug» für jeden Raum. Oft liegt das Potenzial im Bestand. Gezielte Eingriffe, von der Anpassung einzelner Elemente bis zur Neuausrichtung des Layouts, verbessern die Nutzung nachhaltig. Wir konzipieren und begleiten alle strategischen, gestalterischen und baulichen Massnahmen, koordinieren die beteiligten Fachkräfte und führen Projekte auf Wunsch durch alle Phasen von der Idee bis zur Umsetzung.
Gibt es Präferenzen bei der Zielgruppe?
Wir arbeiten für Private ebenso wie für Geschäftskundinnen und -kunden in der ganzen Schweiz und unabhängig vom Standort Winterthur. Der Ort ist dabei zweitrangig. Entscheidend sind das Projekt und der Austausch mit den Menschen dahinter. Unsere Besprechungen finden dort statt, wo sie am meisten Sinn ergeben: bei uns oder den Kundinnen und Kunden, in Unternehmen oder auch an neutralen Orten. Diese Flexibilität erlaubt es uns, nah an den Bedürfnissen zu arbeiten und Projekte präzise zu entwickeln.
Geben Sie uns doch bitte einen Einblick in die Projektrealisierung. Wie läuft diese mit den Planenden von Teo Jakob in der Regel ab?
Wir arbeiten wie Architektinnen und Architekten nach den Leistungsphasen SIA 112. Das schafft Klarheit, Struktur und Verlässlichkeit über den gesamten Prozess. Am Anfang steht der Dialog. Gemeinsam mit den Kundinnen und Kunden formulieren wir die Bedürfnisse, erstellen ein Pflichtenheft und analysieren die Ausgangslage. Darauf folgt das Studium der Möglichkeiten. Wir entwickeln Varianten, zeigen Perspektiven auf und schaffen eine fundierte Entscheidungsbasis – inklusive Kostenschätzung und Terminrahmen.
Dann wird es konkreter.
Vom Vorprojekt über das Bauprojekt bis zur Werk- und Ausführungsplanung entstehen präzise Lösungen. Wir erarbeiten Details, koordinieren Termine, führen Ausschreibungen durch und begleiten Vergaben. Auch Bewilligungsverfahren und Kostenkontrolle sind Teil davon. In der Umsetzung übernehmen wir die gestalterische Leitung und auf Wunsch die Bauleitung. Wir koordinieren alle beteiligten Fachkräfte, sichern Qualität, Termine und Kosten. Zum Abschluss folgen Möblierung und Ausstattung sowie die Inbetriebnahme. So begleiten wir Projekte ganzheitlich – von der ersten Idee bis zur fertigen Nutzung.
Wir sind gespannt, welche Projekte Sie bereits realisieren durften.
Eines bleibt mir in besonderer Erinnerung. Es ist die Neugestaltung der Geschäftsräume einer Regionalbank in Schaffhausen. Hier stand die Balance zwischen Atmosphäre und Funktion im Zentrum. Wir haben die Arbeitsbereiche klar gegliedert und mit Aufenthaltszonen, Besprechungsräumen sowie Rückzugsorten ergänzt. Auch Aspekte wie Bewegung im Arbeitsalltag wurden mitgedacht, etwa durch Garderoben mit Duschen. In der Gestaltung greift das Corporate-Blau den Markenauftritt auf, während akustisch wirksame Holzoberflächen aus Eiche Wärme und Ruhe in die Räume bringen. So entstand eine Arbeitsumgebung, die Professionalität und Aufenthaltsqualität verbindet.

Nennen Sie uns gern noch ein weiteres.
In bester Erinnerung bleibt auch ein kleines Ferienhaus im Wallis. Ein sehr persönliches Projekt zugleich. Auf nur 51 Quadratmetern galt es, ein grosszügiges Raumgefühl zu schaffen. Wir haben mit einem schlanken Baukörper, hohen Räumen und einem Split-Level gearbeitet, um Sichtachsen zu öffnen und die Fläche optimal zu nutzen. Tageslicht und der Bezug zur Landschaft spielten eine zentrale Rolle. Im Innenraum setzten wir auf wenige, sorgfältig gewählte Materialien wie weiss pigmentierte Weisstanne, ergänzt durch gezielte Kontraste. Das Ergebnis ist ein kompakter, klar gestalteter Rückzugsort, ein echter «Massanzug» für die Bauherrschaft. Beide Projekte zeigen, wie unterschiedlich unsere Aufgaben sein können. Und doch verbindet sie derselbe Anspruch: Räume zu schaffen, die präzise auf die Menschen und ihre Nutzung abgestimmt sind.

Eine zentrale Grundlage ihrer Arbeit ist die Materialbibliothek. Wie wird diese eingesetzt?
Sie bildet das Herzstück des Standorts in Winterthur. Hier arbeiten wir mit Oberflächen, Farben und Texturen. Materialien sprechen unsere Sinne an. Sie prägen die Atmosphäre eines Raumes und beeinflussen, wie wir ihn wahrnehmen und nutzen. Viele Besuchende schätzen diesen haptischen Zugang. Sie erleben, wie aus einzelnen Komponenten ein stimmiges Gesamtbild entsteht und gewinnen Sicherheit für ihre Entscheidungen.
Mit welchen Materialien und Stoffe wird besonders gern gearbeitet?
Wir orientieren uns nicht an kurzfristigen Trends. Im Zentrum steht die Atmosphäre eines Raumes und das Wohlbefinden der Menschen, die ihn nutzen. Entscheidend sind für uns Proportionen, Lichteinfall und die Wirkung der Oberflächen. Wir arbeiten bevorzugt mit natürlichen Materialien, die im Gebrauch an Qualität gewinnen. Oberflächen dürfen altern und eine Patina entwickeln. Das verleiht Räumen Tiefe und Charakter. Häufig setzen wir etwa auf Wände mit Marmorkalkoberflächen oder auf grob gewobene Leinenvorhänge. Solche Materialien wirken ruhig, authentisch und unterstützen eine zeitlose Gestaltung.
Welche Neuigkeiten dürfen wir demnächst von Ihnen erwarten?
Wir entwickeln uns laufend weiter immer im Dialog mit den Bedürfnissen unserer Kundinnen und Kunden. Veränderungen entstehen bei uns nicht als einzelne Ankündigung, sondern als kontinuierlicher Prozess. Wir schärfen unsere Dienstleistungen, vertiefen unsere Kompetenzen und passen unsere Arbeitsweise gezielt an. So stellen wir sicher, dass unsere Lösungen relevant bleiben und den heutigen Anforderungen entsprechen, in Winterthur wie an allen Standorten von Teo Jakob.
Vielen Dank für das Gespräch.
