Gemeinschaftlich wachsen wie bei Sluisbuurt in Amsterdam
Sluisbuurt ist Amsterdams aufstrebender neuer Stadtteil. Kürzlich erfolgte der Baubeginn für «Sluisbuurt 1B», das den klassischen «Wohnblock» neu interpretiert.

Mit Sluisbuurt entsteht in Amsterdam ein autofreies Stadtquartier, das Wohnen, Arbeiten, Versorgung und öffentliche Freiräume auf kurzen Wegen miteinander verbindet. An der Schnittstelle von Waterplein, Hoogstraat und der zukünftigen Veloverbindung in Richtung Innenstadt bildet «Sluisbuurt 1B» einen zentralen Baustein der Quartiersentwicklung. Der Entwurf von Powerhouse Company und Beyond Space verbindet bezahlbaren Wohnraum mit einer räumlichen Struktur, die den gemeinschaftlichen Alltag in den Mittelpunkt stellt.
Die Überbauung umfasst 183 Sozialwohnungen sowie 45 Wohnungen im mittleren Preissegment. Ergänzt wird das Wohnprogramm durch gemeinschaftliche Einrichtungen, publikumsorientierte Nutzungen und differenziert gestaltete Aussenräume, die den Bewohnenden und dem Quartier zur Verfügung stehen.
Drei Häuser – ein Ensemble
Anstelle eines grossen Baukörpers entwickelt sich das Projekt aus drei eigenständigen Volumen. Ein zweigeschossiger Sockel fasst sie zu einem Ensemble zusammen und vermittelt zwischen Gebäude und Stadtraum. Über Materialität, Fassadengliederung und Proportion erhalten die Baukörper jeweils einen eigenständigen Ausdruck.
Der Eckbau ist in einem warmen Terrakottaton gehalten. Versetzte Fassadenebenen und auskragende Balkone verleihen ihm Plastizität. Der mittlere Baukörper interpretiert den Blockrand ruhiger und geschlossener. Seine dunkelbraune Ziegelfassade definiert den Strassenraum, während hofseitige Laubengänge den Bezug zum gemeinschaftlichen Innenhof herstellen. Als vertikaler Akzent erhebt sich der Turm über dem Ensemble. Helles Mauerwerk wird durch grün glasierte Elemente an Eingängen und Fensterlaibungen ergänzt und verleiht dem Turm eine präzise Materialität. Trotz ihrer Eigenständigkeit fügen sich die Baukörper zu einem harmonischen Ganzen.

Gemeinschaft als Entwurfsprinzip
Der Entwurf versteht das Wohnhaus nicht als abgeschlossenen Solitär, sondern als räumliche Fortsetzung des Quartiers. Das Konzept organisiert unterschiedliche Wohnformen um gemeinschaftliche Räume und verbindet private, halböffentliche und öffentliche Bereiche zu einem vielschichtigen Gefüge.
Der Sockel übernimmt dabei eine vermittelnde Funktion. Ein Gemeindezentrum, Arbeitsräume sowie publikumsorientierte Nutzungen öffnen das Gebäude zum Stadtraum und aktivieren den Strassenraum. Darüber orientiert sich die Anordnung der Wohnungen an unterschiedlichen Wohn- und Lebensformen. Familienwohnungen gruppieren sich um den begrünten Innenhof mit Spielbereichen. Wohnungen für ältere Menschen liegen entlang grosszügiger Laubengänge und in unmittelbarer Nähe gemeinschaftlicher Aufenthaltsräume. Kleinere Wohnungen für Einzelpersonen und Berufseinsteigende sind mit gemeinschaftlichen Innenräumen sowie dem Dachgarten verbunden und erweitern den privaten Wohnraum um gemeinsam nutzbare Flächen.

Die gemeinschaftlichen Bereiche sind nicht als eigenständige Räume angelegt, sondern in die alltäglichen Wege integriert. Entlang der Erschliessung entstehen Orte der Begegnung, ohne die Privatheit der Wohnungen zu beeinträchtigen. Gemeinschaft wird dadurch nicht programmiert, sondern räumlich ermöglicht.
«Sluisbuurt 1B» zeigt, wie sich hohe bauliche Dichte mit einer differenzierten Wohnorganisation verbinden lässt. Die Gliederung in drei Baukörper, die sorgfältig abgestimmte Materialität und die Verzahnung von Wohnen, Gemeinschaft und öffentlichem Leben verleihen dem Projekt eine städtebauliche Präsenz, die über die einzelne Wohnanlage hinausreicht und einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung des neuen Quartiers leistet.
