Markant
Im deutschen Essenbach haben Dasch Zürn + Partner einen klar strukturierten Verwaltungsbau geschaffen. Die Fassade des sich horizontal erstreckenden Baus ist geprägt von umlaufenden Fenster- und Keramikbändern.

Mit dem Neubau des Landratsamts im deutschen Essenbach ist ein neuer Verwaltungsbau entstanden, der sich eigenständig in die offene Landschaft einfügt und zugleich einen markanten städtebaulichen Akzent setzt. Die Gebäudehöhe orientiert sich an den benachbarten Bauten. Gemeinsam mit der Musikschule und der Veranstaltungshalle Eskara hat sich damit ein neues, prägendes Quartier für Essenbach gebildet.
Die Fassadengestaltung des Neubaus ist durch umlaufende horizontale Bänder aus Glas- und Keramikelementen geprägt, welche die horizontale Gliederung des Baukörpers betonen. Mit dem Einsatz von Ton als Fassadenmaterial wird ein regional verankerter Baustoff verwendet, der gestalterische und nachhaltige Aspekte berücksichtigt.
Die geschlossenen Fassadenbereiche treten gegenüber den Verglasungsebenen deutlich hervor und verleihen der Gebäudehülle eine gewisse Tiefe sowie eine differenzierte Strukturierung. Massgeblich hierzu tragen die reliefartig ausgebildeten Keramikbänder bei. Diese bestehen aus drei unterschiedlichen Plattenformaten mit variierenden Ansichtsbreiten sowie aus gestaffelten Oberflächenstrukturen. Durch deren unregelmässige Anordnung entsteht ein lebendiges Fassadenbild mit differenzierter Licht- und Schattenwirkung.
Die transparenten Fassadenbänder werden als Aluminium-Elementfassade mit hochwärmedämmender Dreifachverglasung ausgeführt. In sämtlichen Büroräumen sind öffenbare Flügel zur natürlichen Be- und Entlüftung integriert. Raumhohe Verglasungen werden als Pfosten-Riegel-Konstruktionen ausgebildet und unterstützen eine hohe Tageslichtversorgung der Innenräume.

Im Bereich der Elementfassaden kommen Senkrechtmarkisen zum Einsatz, während die Pfosten-Riegel-Fassaden mit aussenliegenden Raffstoreanlagen ausgestattet sind. Dadurch wird ein wirksamer sommerlicher Wärmeschutz und hoher Nutzendenkomfort gewährleistet.
Die flachgeneigten Dachflächen des Gebäudes wurden zur Installation von Photovoltaikmodulen genutzt, um regenerative Energie direkt am Standort zu erzeugen und den Primärenergiebedarf des Gebäudes nachhaltig zu reduzieren. Durch die Nutzung der grossflächigen, weitgehend verschattungsfreien Dachbereiche können optimale Voraussetzungen für einen wirtschaftlichen und effizienten Betrieb der Photovoltaikanlage geschaffen werden. Zusätzlich sind auf der Dachfläche Solarthermie angeordnet.
Differenzierte Strukturierung
Über einen Vorplatz gelangen Besuchende über die Pforte in die grosszügig gestaltete, viergeschossige Eingangshalle. Diese bildet das räumliche und funktionale Erschliessungselement des Gebäudes. Eine zentral angeordnete Treppe verknüpft sämtliche Nutzungsbereiche miteinander und unterstützt Besuchende und Mitarbeitende bei der Orientierung innerhalb des Hauses.
In der Eingangsebene sind unter anderem zentrale Schalterbüros angeordnet, die von unterschiedlichen Ämtern genutzt und betrieben werden. Die räumliche Organisation ermöglicht kurze Wege sowie eine übersichtliche Besuchendenführung. Im darüberliegenden Geschoss befinden sich überwiegend Büroräume unterschiedlichster Sachgebiete.
Das oberste Geschoss ist den Sondernutzungen vorbehalten. Hier befinden sich der Sitzungssaal sowie die Büroräume des Landrates. Dieser Bereich dient vorwiegend internen Verwaltungs- und Besprechungsabläufen und ist räumlich entsprechend separiert organisiert.

In der untersten Ebene sind die Kantine mit zugehöriger Küche sowie eine grosszügige Terrasse angeordnet, die in die parkartig gestalteten Aussenanlagen übergeht. Im erdüberdeckten Gebäudebereich nach Norden wurde die Registratur untergebracht. Ergänzend hierzu befinden sich auf dieser Ebene die zentralen Technikflächen des Gebäudes.

Materialität im Gebäude
Das Innere des neuen Landratsamts wird im Wesentlichen von drei Materialien bestimmt: Holz, Glas und Beton. Die zum Einsatz gekommene Weisstanne ist ein für die Region heimischer Baustoff. Sie ist ein warmes und vornehmes Material. Verwendet wird sie vorwiegend für Akustikdecken, Systemtrennwände, Treppenbekleidung und Einbaumöbel. In Sichtbeton gehalten, teilweise mit einer sägerauen Schalung, sind die innenliegenden Kerne zur Aussteifung, die aussenliegenden Stützen zur Lastabtragung und die Decken, Bodenplatte, Dach zum Überspannen der Abstände. Das statische Konzept wurde in den meisten Bereichen nicht versteckt. Somit trägt der Baustoff Beton zur Statik und zum Erscheinungsbild innerhalb des Gebäudes bei. Alle Räume der aussenliegenden Spange sowie die an die Innenhöfe angrenzenden Räume verfügen über eine in der Fassadenebene liegende Verglasung mit öffenbaren Flügeln. Zusätzlich wird in besonderen Bereichen wie dem Eingangsbereich, dem Sitzungssaal, dem Atrium und den Treppenhäusern über Oberlichter im Dach natürliches Licht ins Gebäude gebracht.
