Bildungsbauten – Die Bibliothek ist tot – es lebe die Bibliothek
Wir leben heute in einer Wissensgesellschaft, und kein Tag vergeht, ohne dass wir uns bei Google, Wikipedia und Co. über aktuelle Themen informieren oder nach Antworten auf unsere Fragen suchen.

Wir leben heute in einer Wissensgesellschaft, und kein Tag vergeht, ohne dass wir uns bei Google, Wikipedia und Co. über aktuelle Themen informieren oder nach Antworten auf unsere Fragen suchen. In einer Zeit, in der alle Informationen jederzeit online abrufbar sind, könnte man meinen, dass es die Bibliotheken als Wissensträger heute und in Zukunft gar nicht mehr braucht. Doch das Gegenteil ist der Fall. Es scheint, dass die Digitalisierung die Sehnsucht nach realen Orten, an denen man mit echten Menschen kommunizieren kann, erst recht verstärkt. So sind in den letzten Jahren einige spektakuläre Bibliotheks-Neubauten entstanden, unter anderem die Binhai Library in Tianjin, China, des niederländischen Architekturbüros MVRDV oder die Central Library von Snøhetta in Calgary, Kanada. Im Gegensatz zu den alten und eher etwas verstaubten Bibliotheken, die wir von früher kennen, und in denen, wenn überhaupt, nur leise gesprochen werden durfte, erfinden sich die Bibliotheken gerade neu.
Nicht nur ein Ort der Informationsbeschaffung
Neue Bibliothekskonzepte verstehen sich heute nicht mehr nur als Ort der Informationsbeschaffung. Im Vordergrund steht viel mehr der physische Ort, der Menschen zusammenbringt, um Wissen zu teilen. Daher sind Bücher und Medien nur mehr ein Teil des Angebots, wie das Beispiel der neuen Central Library in Helsinki zeigt. Sie beherbergt nebst einem relativ kleinen Bücherangebot ein Kino, Aufnahmestudios, einen Maker Space zur konkreten Umsetzung von Ideen und zum kreativen Austausch sowie Ausstellungs- und Veranstaltungsräume. Nicht nur im Ausland, auch in der Schweiz zeichnet sich ein Wandel bei den Bibliotheken ab, wenn auch noch verhalten.
Mit Sonntagsöffnungszeiten sowie Spiel- und Game-Veranstaltungen verstehen sie sich als kulturelle und gesellschaftliche Treffpunkte und schaffen neue Anreize für die Bevölkerung.
Learning Center
Diese Entwicklungen spiegeln sich auch bei den Bibliotheken an Hochschulen wider, allerdings mit einem Schwerpunkt im Bereich neue Lehr- und Lernlandschaften im Sinne von kuratierten, partizipativen und produktiven Wissensräumen als Learning Center. Obwohl Lernen im digitalen Zeitalter überall und jederzeit stattfinden kann, ist für viele Studierende die Hochschule nach wie vor ein wichtiger Ort, um alleine oder in Gruppen zu lernen und sich auszutauschen. Die Bibliotheken müssen sich deshalb als physische Orte der Informationsvermittlung weiterentwickeln, indem sie nach wie vor Bücher, aber insbesondere auch Dienstleistungen und Platz für unterschiedliche Arbeitsformen mit entsprechender Infrastruktur und guten Arbeitsplätzen anbieten. Ein gutes Beispiel hierfür ist das öffentlich zugängliche Rolex Learning Center der EPL in Lausanne. Eine Bibliothek als Lernlandschaft im wahrsten Sinne des Wortes mit hügelig angelegter Bodenfläche und unterschiedlichen Zonen, wo Studierende lernen und sich austauschen können. Vergleichbar mit den modernen Arbeitswelten, die über vielfältige Raumangebote für unterschiedliche Arbeitsformen verfügen.
Wie bei den modernen Arbeitswelten gibt es für die Planung von Bibliotheken und Lernwelten keine Standardrezepte. Denn je nach Studienrichtung sind die Lehr- und Lernformen sehr unterschiedlich. Um erfolgreiche und gut genutzte Angebote zu schaffen, ist es deshalb unverzichtbar, die Bedürfnisse der Nutzerinnen und Nutzer gezielt einzubeziehen. ●
