Der Erweiterungsbau für die LGT Bank in Vaduz vermittelt zwischen den Massstäben der Umgebung
In Vaduz haben Fischer Architekten die erste Etappe des Erweiterungsneubaus für die LGT Bank realisiert. Trotz seiner beträchtlichen Grösse fü;gt sich das Gebäude selbstverständlich in die kleinteilige Struktur der Kernzone ein. Entscheidend dafür ist die sorgfältig proportionierte Setzung des Baukörpers.

Der Entwurf des Erweiterungsbaus für die LGT Bank besteht aus einem fächerartig angelegten Ensemble aus drei parallel zum Hang verlaufenden, höhenversetzten Gebäudefingern. Dadurch wird das Volumen gegliedert und im Strassenraum nur abschnittsweise wahrnehmbar. Die unterschiedlichen Gebäudehöhen und Fassadenlängen reagieren unmittelbar auf die bestehende Bebauungsstruktur und vermitteln zwischen den Massstäben der Umgebung.
Architektonisch besonders prägend ist die Fassadengestaltung. Das Gebäude ist als konstruktiver Holzbau konzipiert und erhält eine vorgehängte Fassade aus braun druckimprägnierter Tanne. Die Materialität verleiht dem Baukörper eine warme, zurückhaltende Erscheinung und unterstützt zugleich seine Einfügung in die von Landschaft und kleinmassstäblicher Bebauung geprägte Umgebung. Die Holzfassade ist Ausdruck des konstruktiven Prinzips des Gebäudes: Das konsequente Raster der Tragstruktur findet in der Fassadengliederung seine architektonische Entsprechung.

Die Fassaden sind durch ein fein rhythmisiertes Raster aus Holz geprägt. Die Tiefe dieser Rasterstruktur verleiht der Gebäudehülle Plastizität und erzeugt ein differenziertes Spiel aus Licht und Schatten. Gleichzeitig übernimmt die Fassade eine wichtige klimatische Funktion. Auf einen aussenliegenden Sonnenschutz wurde aufgrund der häufigen Föhnwinde in Vaduz bewusst verzichtet. Stattdessen wird der sommerliche Wärmeschutz über die Ausrichtung der Baukörper, die Positionierung der Fenster und die Tiefe der Fassadenstruktur gelöst. Insbesondere an den Ost- und Westfassaden wurde der Fensteranteil reduziert, um die direkte Sonneneinstrahlung zu begrenzen. Die tief ausgebildete Rasterfassade erzeugt zudem eine natürliche Verschattung und schützt vor tief einfallendem Streiflicht.

Direkte Verbindung
Die Gestaltung der Gebäudehülle steht in engem Zusammenhang mit dem konstruktiven Aufbau. Das Tragwerk basiert auf Stützen und Querträgern aus Eschenholz, ergänzt durch eine sekundäre Tragstruktur aus Nadelholz. Diese Konstruktion bleibt auch im Inneren weitgehend ablesbar. Die sichtbaren Pfosten und Träger verleihen den Innenräumen eine klare tektonische Ordnung und schaffen eine direkte Verbindung zwischen Konstruktion, Material und architektonischem Ausdruck. Die Decken wurden bewusst von sichtbaren technischen und akustischen Einbauten freigehalten, sodass der Holzraster als bestimmendes Gestaltungselement erhalten bleibt.

Der grösste der drei Gebäudeflügel sowie das verbindende Bauteil bilden die erste realisierte Etappe. Rund 200 Mitarbeitende finden darin Platz. Ob die beiden weiteren Gebäudefinger zu einem späteren Zeitpunkt ergänzt werden, hängt vom zukünftigen Platzbedarf der LGT ab. Bereits die erste Etappe zeigt jedoch deutlich das architektonische Prinzip des Gesamtprojekts: Die Gliederung des Volumens, die Abstufung der Baukörper und die präzise ausgebildete Holzfassade verbinden eine grosse Nutzfläche mit einer bewusst kleinteiligen Massstäblichkeit.
Auch im Verhältnis zum Freiraum setzt das Projekt auf Durchlässigkeit. Trotz der beträchtlichen Nutzfläche entstehen zwischen den Gebäudeflügeln und der bestehenden Bebauung attraktive Freiräume. Vorhandene Fusswege wurden in die Landschaftsgestaltung integriert und bleiben öffentlich zugänglich. Die von Vogt Landschaftsarchitekten entwickelte Umgebung nimmt mit Findlingen, lose geschichtetem Felsmaterial und dichten Gehölzgruppen Bezug auf die nacheiszeitlich geprägte Sedimentlandschaft des Rheintals und verstärkt damit die Verbindung zwischen Architektur und Landschaft.

Die konstruktive und gestalterische Konsequenz des Projekts zeigt sich schliesslich auch im Nachhaltigkeitskonzept. Die Zertifizierungen nach «LEED Platin» und «SNBS Gold» wurden durch eine frühzeitige Auseinandersetzung mit Ressourceneffizienz, lokalen Holzmaterialien, emissionsarmen Baustoffen sowie Systemtrennung und Rückbaubarkeit ermöglicht. Damit verbindet der Neubau seine architektonische Identität – insbesondere die prägende Holzstruktur und Fassadengestaltung – mit einem umfassenden Verständnis von Nachhaltigkeit und langfristiger Nutzbarkeit.
Der sommerliche Wärmeschutz wird über die Ausrichtung der Baukörper, die Positionierung der Fenster und die Tiefe der Fassadenstruktur gelöst.

