Erholsame Stadtoase
Im grünen Villenviertel Berlin Westend erweitert eine skulptural gestaltete Hochterrasse eine historische Jugendstil-Doppelvilla aus dem Jahr 1910 und schafft einen neuen, qualitätsvollen Aussenraum im Dialog mit der bestehenden Architektur. Das Projekt des Berliner Büros Lukas Kønig Architekt interpretiert den Bestand mit zeitgenössischer Leichtigkeit neu und transformiert den Garten in eine architektonisch inszenierte Stadtoase.

In Zeiten wachsender Städte und knapper werdender Freiflächen gewinnt der private Aussenraum zunehmend an Bedeutung. Hochwertig gestaltete Terrassen und Gärten werden zu essenziellen Lebensräumen, die Erholung, Natur und Architektur miteinander verbinden. Es sind Orte mit besonderer Atmosphäre, die den Alltag entschleunigen und den Blick ins Grüne zum festen Bestandteil des Wohnens machen. Mit der «Stadtoase» im Berliner Westend hat das Büro Lukas Kønig Architekt einen solchen Rückzugsort geschaffen – eine skulpturale Erweiterung, die Natur, Bestand und zeitgenössisches Design in Einklang bringt.

Im historischen Kontext
Ausgangspunkt des Entwurfs war die charakteristische Formensprache der Villa: Rundfenster, Erker und Gewölbe wurden in eine klare Komposition übersetzt, die gleichzeitig mit ihrem spannungsvollen Spiel zwischen Geradlinigkeit und Feingefühl überzeugt. Geschwungene Brüstungen, präzise Linienführungen und reduzierte Geometrien lassen eine neue Struktur entstehen, die sich selbstverständlich in den historischen Kontext einfügt, ohne diesen zu imitieren.
Die rund 15 Quadratmeter grosse Terrasse wird von einer filigranen Stahlkonstruktion getragen, die sich über eine Gesamtlänge von etwa 8,60 Metern und einer Breite von 3,90 Metern erstreckt. Drei vertikale Scheiben bilden das statische Rückgrat, von denen zwei zugleich als Treppenwangen fungieren und den Aussenraum elegant mit dem Garten verbinden. Integrierte Sitzflächen sowie ein bepflanztes Element erhöhen die Aufenthaltsqualität und schaffen einen natürlichen Sichtschutz zur Nachbarschaft. So entsteht ein atmosphärischer Filter zwischen privatem Rückzugsort und urbanem Umfeld. Materialität und Farbigkeit wurden bewusst reduziert gehalten: Die helle, ruhige Oberfläche der Konstruktion bildet einen klaren Kontrast zur üppigen Vegetation und verstärkt den Eindruck einer architektonischen Landschaft im Grünen. Gleichzeitig sorgt die robuste Ausführung für Langlebigkeit und ganzjährige Nutzbarkeit.
In Anlehnung an den Bestand ist die feuerverzinkte Stahlkonstruktion in Grauweiss beschichtet und nimmt die Fassadenfarbe der Villa auf. Treppe, Sitzbank und Pflanzbeet sind aus Stahlblech gefaltet, die Treppenstufen mit einer Antirutschbeschichtung versehen. Der Terrassenbelag aus Holzdielen verbindet warme Haptik mit hoher Widerstandsfähigkeit.

Auf Langlebigkeit ausgelegt
Neben der gestalterischen Qualität stand auch die Nachhaltigkeit im Fokus. Die Konstruktion ist sortenrein rückbaubar und auf Langlebigkeit ausgelegt. Der verwendete Terrassenbelag besteht aus nachhaltig beschafftem, FSC-zertifiziertem Weichholz aus Europa, das durch ein umweltfreundliches Verfahren veredelt wird und in seiner Beständigkeit tropischen Harthölzern entspricht – eine ressourcenschonende Alternative zu Holz aus gefährdeten Regenwäldern. Die Begrünung und die Einbindung eines bestehenden Baumes sorgen für natürliche Verschattung und stärken den Bezug zwischen Wohnraum und Garten.
Mit der «Stadtoase» zeigt der Berliner Architekt Lukas König wie durch präzise architektonische Intervention bestehender Wohnraum behutsam erweitert werden kann. Das Projekt steht exemplarisch für eine nachhaltige Aufwertung von Bestandsarchitektur und für die wachsende Bedeutung hochwertig gestalteter Aussenräume im urbanen Wohnkontext. ●
