Moderner Impressionist

Nach zweijähriger Renovationsphase öffnete das Museum Langmatt im Mai wieder seine Türen. Ein Erweiterungsbau gibt dem historischen Ensemble zudem einen modernen Anstrich.

Die Konstruktion skizziert einen transparenten, überdachten Raum im Park. (Bilder: Holger Jacob)

Die vom Architekten Karl Moser entworfene Villa Langmatt in Baden entstand 1901 als Wohnhaus für das Ehepaar Brown-Sulzer. Nach dem ersten Umbau ab 1990 diente es als öffentliches Museum mit einer Sammlung von Gemälden des französischen Impressionismus. Im Zusammenspiel mit der umliegenden Parkanlage entwickelte sich die denkmalgeschützte Villa nicht nur für Kunst- und Architektursympathisierende zu einem geschätzten Ort des Verweilens unweit des Zentrums der Bäderstadt. Eine von 2024 bis 2026 durchgeführte Renovation soll diese Qualität auch in den kommenden Jahren sicherstellen. Dabei erneuerte man die komplette Haustechnik, strich Türrahmen sowie Wände und restaurierte die Tapeten und Stoffbespannungen.

Die Villa Langmatt besticht mit Sichtfachwerk, Dachaufbauten und malerischer Gestaltung.

Im Zuge der Sanierungsarbeiten entstand ein multifunktionaler Pavillon, den Ernst Niklaus Fausch Partner AG entworfen haben. Dieser positioniert sich am Ende der Eingangsallee im Park, wo einst das frühere Verwalterhaus aus den 1970er-Jahren zu finden war. Der Neubau versucht keineswegs mit der denkmalgeschützten Villa zu konkurrieren, sondern bildet eine zurückhaltende, offene Ergänzung. Die Villa Langmatt besticht mit ihren Erkern, dem Sichtfachwerk, den Dachaufbauten und ihrer malerischen Gestaltung als Bezug auf ihre Entstehungszeit. Der Pavillon nutzt hingegen eine deutlich reduzierte Formensprache.

Die Konstruktion skizziert einen transparenten, überdachten Raum im Park.

Das rechteckige Volumen besteht im Wesentlichen aus einer filigranen Metallkonstruktion und grossflächigen Verglasungen. Besonders auffällig sind die sehr schlanken Stahlstützen. Die Konstruktion zelebriert einen Schwebezustand und skizziert einen transparenten, überdachten Raum im Park, der vielfältige Sichtbeziehungen zwischen Innen- und Aussenraum ermöglicht.

Photovoltaikpaneele zieren das Dach.

Eine besondere Rolle spielt das mit Photovoltaikpaneelen bestückte Dach, das zur Villa hin einen grossen Überstand aufweist. Dieser Überstand schafft gleichzeitig eine gedeckte Verbindung zum Ökonomiegebäude, ohne dass die beiden Gebäudeteile direkt miteinander verbunden sind. Die Unterseite des Daches in Hochglanzoptik reflektiert die Bäume und den gepflasterten Vorplatz.

Die Unterseite des Daches erscheint in Hochglanzoptik.

Bewusste Gegensätze

Der Kontrast zur historischen Villa ist bewusst gewählt. Ihre Formensprache wird nicht adaptiert. Stattdessen entsteht ein Dialog zwischen zwei sehr unterschiedlichen architektonischen Stilen. Die dekorative und repräsentative Villa trifft auf offene, konstruktiv reduzierte und moderne Architektur. Jener Kontrast verstärkt die Wahrnehmung der historischen Villa als prägendes Gebäude des Ensembles.

Das öffentliche Museum zeigt unter anderem Werke des französischen Impressionismus.

Funktional wird der Pavillon zur wichtigen Ergänzung. Er ist als flexibel nutzbarer Raum konzipiert und kann für Vernissagen, Veranstaltungen, Gruppen und Schulklassen sowie als wettergeschützter Aufenthaltsort genutzt werden. Gleichzeitig wurde im angrenzenden Ökonomiegebäude der Eingangsbereich des Museums neu organisiert. Dort befinden sich unter anderem Kasse, Shop, Garderobe und Toiletten. Der Erweiterungsbau ist deshalb nicht nur ein zusätzlicher Raum, sondern Teil einer umfassenden Neuordnung innerhalb des Ensembles.

Die Kunst-und-Bau-Arbeit «Licht und Luft» der Künstlerin Julia Steiner setzt zusätzliche wirkungsvolle Akzente. Auf den Glasflächen des Erweiterungsbaus erscheinen zeichnerische Formen von Insekten, Blüten und Blättern, die einen direkten Bezug zur Vegetation des Parks herstellen. Die Grenze zwischen Architektur sowie Natur verwischt und erlaubt ein gesamtheitliches Erlebnis an diesem besonderen Ort.

Die Künstlerin Julia Steiner setzt an den Verglasungen optische Akzente.

Der neue Pavillon ist somit weniger als klassischer Erweiterungsbau konzipiert, sondern als ein ergänzendes Puzzleteil in der Geschichte der Langmatt. Seine in der Zurückhaltung begründete architektonische Qualität setzt alle Elemente in Verbindung und unterstreicht die Bedeutung des Parks als Bestandteil des Museums. Die Voraussetzungen für einen vielfältigen Museumsbetrieb bleiben für hier und jetzt bewahrt. ●

Funktional wird der Pavillon zur wichtigen Ergänzung.
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