Neue Möglichkeiten geschaffen
Aufgrund neuer Schul- und Therapieformen stieg der Raumbedarf im Schulhaus der Vereinigung St. Michael in Adetswil. Ein überwiegend im Holzbau gefertigter Ergänzungsbau ermöglicht nun moderne Abläufe. Das bestehende Schulhaus wurde zugleich baulich sanft angepasst.

Das vor rund dreissig Jahren erstellte Schulhaus des Schulheims St. Michael und Teil der heilpädagogischen Vereinigung St. Michael vermochte den heutigen Anforderungen nicht mehr gerecht zu werden. Mit der wachsenden Zahl an Lernenden stieg auch der Bedarf an differenzierten Raumangeboten: Unterrichts- und Therapieräume, Rückzugsorte, Time-out- und Gruppenräume fehlten. Ein 2024 fertiggestellter Ergänzungsbau antwortet auf diese Entwicklung mit einer präzisen architektonischen Setzung. Als längliches Volumen legt er sich selbstverständlich in die Topografie und ergänzt das bestehende Gebäudeensemble behutsam. Der Neubau nimmt die wesentlichen Gestaltungsprinzipien des Hauptgebäudes auf und interpretiert sie zeitgemäss.
Städtebauliche Setzung und architektonischer Ausdruck
Das Wohnheim als Hauptbau orientiert sich mit seiner Breitseite zum Tal und wird durch eine fein detaillierte Holzfassade geprägt. Über einem massiven Sockel erheben sich die Obergeschosse, umhüllt von einem schützenden Holzschindelschirm. Das Mansardgeschoss mit ornamentiertem Schreinerwerk und bewegter Dachlandschaft verleiht dem Baukörper Identität und räumliche Tiefe.
Der Ergänzungsbau nimmt diese Charakteristik auf und entwickelt sie zeitgemäss weiter. Fassadengliederung und die subtile Anspielung auf ein Dach- beziehungsweise Mansardgeschoss vermitteln zwischen dem Bestand und dem südlich gelegenen Schulhaus. Gleichzeitig reagiert der Neubau sensibel auf die Topografie: Er schmiegt sich an den leicht nach Westen geneigten Hang und gewinnt daraus seine eigenständige Präsenz.
Freiraum als verbindendes Element
Mit dem Ergänzungsbau wird der bestehende Schulbereich räumlich neu gefasst. Der Vorplatz erhält eine klare Ordnung und entwickelt sich zu einer qualitätsvollen Adresse mit Pausenhof und gedecktem Eingangsbereich.
Gemeinsam mit den bestehenden Terrassen definiert der Neubau die Hangkante präzise und schafft einen gefassten Aussenraum. Der neue Schulhof fungiert als verbindendes Gelenk zwischen Bestand, Erweiterung und Grünanlage. Markante Baumpflanzungen und neu gestaltete Freiflächen verweben Schulhof und Gärten zu einem zusammenhängenden Ganzen.
Der grosszügige Platz mit Bäumen und Rundbänken bietet unterschiedliche Aufenthaltsqualitäten – sonnige wie schattige Bereiche, Raum für Spiel ebenso wie für Begegnung. Über Ausgänge auf allen Geschossen ist der Neubau direkt mit der bestehenden Grünanlage verbunden. Die Wegeführung trennt konsequent den Fussweg der Lernenden von Verkehr und Parkierung und stärkt damit die funktionale und räumliche Klarheit der Gesamtanlage.
Räumliche Struktur und pädagogische Offenheit
Die innere Organisation folgt einem klaren, einfachen System. In den Obergeschossen sind Unterrichtsräume und Nebenräume zu zusammenhängenden, flexibel nutzbaren Einheiten gebündelt. Sämtliche Hauptnutzflächen profitieren von einer gleichwertigen natürlichen Belichtung.
Nichttragende Querwände ermöglichen langfristige Anpassungen und eröffnen Spielraum für unterschiedliche pädagogische Konzepte. So entsteht ein offenes, wandelbares System, das auf zukünftige Entwicklungen reagieren kann.
Der Lehrerbereich und die Schulleitung sind in unmittelbarer Nähe des Haupteingangs mit Blick auf den Pausenplatz angeordnet. Hort- und Aufenthaltsräume befinden sich im Dachgeschoss und öffnen sich zur angrenzenden Spielwiese – Innen- und Aussenraum stehen in direkter Beziehung.


Tragwerk und konstruktive Logik
Die Tragstruktur verbindet Massivbau und Holzbau in klarer funktionaler Zuordnung. Sockel, Bodenplatte, Fundation und Treppenkerne sind in Massivbauweise ausgeführt. Hangseitige Wand-, Boden- und Deckenplatten sowie Teile der Querwände bilden eine monolithische Konstruktion, die den Hangdruck dauerhaft aufnimmt, die Wasserdichtigkeit gewährleistet und die Lasten gleichmässig in den Baugrund ableitet.

Die Obergeschosse sind als Holzkonstruktion konzipiert. Effiziente Holzdeckenelemente überspannen die Schulräume und leiten horizontale Kräfte aus Wind und Erdbeben in die massive Ortbetonwanne ab.

Dank der Topografie und der gezielten Anordnung der Ausgänge führen auf jedem Geschoss separat Fluchtwege ins Freie. Auf vertikale Fluchtkerne konnte verzichtet werden, wodurch grosszügige, frei möblierbare Korridore und Unterrichtsbereiche entstehen. Die architektonische Klarheit bleibt so auch im Inneren spürbar.

Ruhige Lernatmosphäre
Der Neubau ist entsprechend dem Minergie-Standard konzipiert worden. Die vorgefertigte Holzelementbauweise ermöglichte eine kurze Bauzeit. Hochwärmegedämmte Fassadenelemente, Holzfenster mit Isolierverglasung und mehrfach gegliederte Lüftungsflügel sorgen für ein angenehmes Raumklima. Die hinterlüftete Holzfassade verankert das Gebäude ortsgerecht in seiner Umgebung. Ein aussenliegender Sonnenschutz schützt die Unterrichtsräume vor sommerlicher Überhitzung und Blendung.
Akustisch wirksame Flächen sind in die Hohlkastenelemente der Decken integriert und unterstützen eine ruhige Lernatmosphäre. So verbindet der Bau konstruktive Präzision mit warmer, haptischer Materialität – und schafft Räume, die funktional durchdacht und zugleich atmosphärisch getragen sind. So entsteht ein ideales Lernumfeld. ●

