Eine Ikone bleibt bestehen
Der ursprünglich 1956 entstandene und von Jean Tschumi konzipierte Geschäftssitz der Vaudoise ist eine Ikone der modernen Schweizer Architektur. Diese erstrahlt nun in neuem Glanz.

Nach einer umfassenden und kürzlich fertiggstellten Sanierung beginnt für das denkmalgeschützte Gebäude «Le Cèdre» eine neue Etappe. Das Projekt knüpft bewusst an die ursprüngliche Idee des Architekten Jean Tschumi an und verbindet architektonisches Erbe mit zeitgemässer Nutzung und zeitgenössischer Kunst.
Der Bau gilt als exemplarisches Zeugnis der modernen Architektur. Tschumi entwarf ein offenes, helles und funktionales Gebäude, in dem industrielle Materialien wie Beton, Glas und Aluminium selbstverständlich zur architektonischen Sprache gehören. Auch hinsichtlich der Nutzung war das Gebäude seiner Zeit voraus: Grossraumbüros, Personalrestaurant, Tiefgarage und eine aktiv beheizte Decke gehörten zu den innovativen Konzepten, die damals neu für die Schweiz waren.

Weiterbauen am Bestand
Die Sanierung reagiert auf die veränderten Anforderungen an Komfort, Gebäudetechnik, Energieeffizienz und Arbeitswelten. Gleichzeitig galt es, die architektonische Identität und den Denkmalwert des Gebäudes zu bewahren. Eine umfassende Bestandsaufnahme im Jahr 2024 bildete die Grundlage für den Umgang mit der historischen Substanz, den ursprünglichen Funktionen und den identitätsstiftenden Elementen.

Der Entwurf «Un moment charnière» von Itten+ Brechbühl AG verfolgt einen pragmatischen Umgang mit dem Bestand und verbindet dessen Qualitäten mit den Anforderungen des heutigen Arbeitsalltags und der Strategie «Worksmart@Vaudoise».
Eine zentrale Rolle spielen die «charnières», die Begegnungs- und Übergangszonen zwischen den beiden Gebäudeflügeln. Sie wurden neu gestaltet und als Orte der Kommunikation und Begegnung gestärkt. Auf mehreren Geschossen wurden zudem Innenwände auf der Südseite entfernt oder durch Glas ersetzt. Mehr Transparenz, Tageslicht und Ausblicke verbessern damit die räumliche Qualität, ohne die Grundstruktur des Gebäudes aufzugeben.

Eigene Identität
Der Innenausbau stammt von CCHE. Materialien, Farben und Mobiliar wurden zu einem kohärenten Gestaltungskonzept zusammengeführt. Die Farbpalette orientiert sich an Jean Tschumis ursprünglicher Gestaltung und übernimmt zugleich eine wichtige Orientierungsfunktion: Die Geschosse und Besprechungsräume erhalten über gezielt eingesetzte Farben eine eigene Identität. Ergänzend erfüllen die Innenräume die Kriterien für das WELL-Gold-Label. Im Mittelpunkt stehen dabei unter anderem Tageslicht, Luftqualität, thermischer Komfort, Ergonomie und Akustik.

Auch die von Tschumi entworfenen Möbel sind Teil des architektonischen Erbes. Ausgehend von historischen Unterlagen aus dem Unternehmensarchiv liess die Vaudoise ausgewählte Stücke neu anfertigen. Die Neuauflagen orientieren sich eng an den Originalen und wurden nur dort angepasst, wo heutige Anforderungen an Komfort und Nachhaltigkeit dies erforderten. Die Möbel waren zudem Bestandteil der Ausstellung «Jean Tschumi Designer» im Mudac.

Kunst als Verbindung von Ort und Zeit
Die Kunstkommission ergänzte das historische Ensemble um zeitgenössische Arbeiten. Die Waadtländer Künstlerin Claudia Comte realisierte die Skulptur «Big Cedar Leaf» (2025) sowie das ortsspezifische Wandgemälde «Sunrise on the Lake» (2025) in der Eingangshalle. Für die Skulptur verwendete sie den Stamm jener Zeder, die 2023 vor dem Gebäude umgestürzt war. Der Sockel aus Eichenholz stammt aus einem Wald im Kanton Waadt – eine direkte Verbindung von Material, Ort und Geschichte.
Der Fotograf Yann Gross setzt sich in seiner Serie «Fortune» (2025) mit dem Erhalt von Waldökosystemen auseinander und erweitert damit den Dialog um die Themen Nachhaltigkeit und den verantwortungsvollen Umgang mit natürlichen Ressourcen.
Die Sanierung des «Cèdre» zeigt, wie sich ein bedeutendes Gebäude des 20. Jahrhunderts weiterentwickeln lässt, ohne seine Identität zu verlieren. Historische Prinzipien werden bewahrt und zugleich dort weitergedacht, wo sich Nutzung und Anforderungen verändert haben. ●
