Kunstvoll
Die neuen, von Peter Zumthor entworfenen David Geffen Galleries des Lacma setzen Massstäbe. Das skulpturale, den Wilshire Boulevard überspannende Gebäude bietet eine neue Perspektive auf eine globale Kunstsammlung.

Nach zwei Jahrzehnten intensiver Transformation hat das Los Angeles County Museum of Art (Lacma) mit der Eröffnung der neuen David Geffen Galleries einen bedeutenden architektonischen Meilenstein erreicht. Das von Peter Zumthor entworfene Gebäude bildet künftig das Herzstück des Museums und beherbergt dessen ständige Sammlung.


Der Neubau setzt ein markantes architektonisches Zeichen innerhalb des weitläufigen Museumscampus. Seine erhöhte Ausstellungsebene eröffnet weite Ausblicke über Los Angeles und schafft zugleich grosszügige öffentliche Freiräume unterhalb des Gebäudes. Durch die Anhebung des Baukörpers entstehen neue Plätze und Aufenthaltsbereiche, die das Museum stärker mit dem städtischen Raum verknüpfen und seine Zugänglichkeit erhöhen.
Im besten Licht
Zumthors Entwurf zeichnet sich durch eine skulpturale, organische Formensprache aus. Der rund 274 Meter lange Baukörper aus Glas und Beton folgt in sanften Kurven dem Verlauf des Hancock Parks und überspannt den Wilshire Boulevard. Das Hauptgeschoss liegt knapp neun Meter über dem Strassenniveau und bildet eine durchgehende Ausstellungsebene. Die horizontale Organisation ermöglicht eine gleichwertige Präsentation der Sammlung und verzichtet bewusst auf hierarchische oder chronologische Raumabfolgen. Statt eines festgelegten Rundgangs bietet die Architektur unterschiedliche Wege durch ein Netzwerk von Galerien mit variierenden Grössen, Proportionen und Lichtstimmungen.

Eine zentrale Rolle spielt dabei das natürliche Licht. Anstelle einer homogenen Beleuchtung setzt Zumthor auf ein differenziertes Zusammenspiel von Licht und Schatten. Die Ausstellungsräume reichen von offenen Randgalerien mit raumhohen Verglasungen bis hin zu introvertierten Innenräumen. Diese unterschiedlichen Lichtverhältnisse prägen die Wahrnehmung der Kunstwerke ebenso wie die räumliche Erfahrung der Besuchenden. Ergänzt wird dieses Konzept durch eigens entwickelte Vorhänge der japanischen Textildesignerin Reiko Sudō. Die transparenten, mit Chrom beschichteten Textilien erzeugen subtile Reflexionen und verleihen den Innenräumen zusätzliche Tiefe, während sie gleichzeitig empfindliche Werke vor direkter Sonneneinstrahlung schützen. So verändert sich die Atmosphäre der Galerien fortlaufend im Rhythmus von Tageszeit, Jahreszeit und Wetter.
Weiträumig
Die Architektur der David Geffen Galleries beschränkt sich jedoch nicht auf den Ausstellungsraum. Sie versteht sich als Teil eines umfassenden räumlichen Gefüges. Sieben Pavillons flankieren die erhöhte Galerieebene und nehmen Bildungs- und Veranstaltungsräume, ein Theater sowie Gastronomie- und Verkaufsflächen auf. Die von der auskragenden Hauptstruktur beschatteten Bereiche dazwischen bilden sorgfältig gestaltete Freiräume, die als öffentliche Plätze und Ausstellungsflächen für Kunst im Aussenraum dienen.
Besondere Aufmerksamkeit gilt der Gestaltung des Platzniveaus. Die rund 19200 Quadratmeter grosse Bodenfläche wurde von der Künstlerin Mariana Castillo Deball als ortsspezifisches Gesamtkunstwerk mit dem Titel «Feathered Changes» entwickelt. In enger Zusammenarbeit mit Peter Zumthor entstand eine Arbeit, die die Architektur mit der geologischen und landschaftlichen Geschichte des Areals verbindet und dessen frühere Funktion als Feuchtgebiet thematisiert. Weitere Kunstinterventionen im Aussenraum, darunter Pedro Reyes‘ monumentale Steinskulptur «Tlali» sowie Diana Thaters Lichtinstallation «Five Days in Claude Monet’s Garden», erweitern den architektonischen Dialog zwischen Gebäude, Kunst und öffentlichem Raum.

Mit den David Geffen Galleries ergänzt Peter Zumthors Neubau die bestehenden Museumsbauten des Campus, darunter das von Renzo Piano entworfene Broad Contemporary Art Museum (Bcam) und den Lynda and Stewart Resnick Exhibition Pavilion. Gemeinsam bilden sie ein vielschichtiges Ensemble zeitgenössischer Museumsarchitektur, das unterschiedliche architektonische Haltungen vereint und die kontinuierliche Entwicklung des Lacma als kulturellen und städtebaulichen Anziehungspunkt in Los Angeles sichtbar macht. Das Werk von Peter Zumthor ist umgeben von grosser Kunst und verkörpert diese zugleich eindrücklich selbst. ●

