Versteckt
Innerhalb der hohen Mauern einer stillgelegten Fabrik hat QB Atelier im italienischen Lendinara mit «PDS House» ein neues Wohnhaus geschaffen. Es fügt sich in die Fragmente industrieller Erinnerungen und räumlicher Einschränkungen ein – als originelle Neuinterpretation der Beziehung zur umgebenden Landschaft.

Das aus einer hybriden Konstruktion aus Holz und Stahl erbaute «PDS House» ist von hohen Umfassungsmauern umschlossen und spiegelt das Profil der ehemaligen Industriearchitektur wider. Von der Strasse aus nicht zu erkennen, erweckt im Garten ein eleganter und grosszügiger zum Wohnhaus gehörender Innenhof.

Das Projekt stammt von QB Atelier und befindet sich im westlichen Teil von Lendinara, in der norditalienischen Provinz Rovigo. Hier sind noch Spuren einer einst blühenden Industrietätigkeit zu sehen, die heute jedoch weitgehend aufgegeben wurde. Das Stadtbild wird heute von Wohngebäuden geprägt, die von grosszügigen Grünflächen durchsetzt sind. An der Piazza dello Statuto, wo sich der Eingang zum Haus befindet, liegt ein belebter öffentlicher Park. Nur wenige Schritte entfernt, geschützt durch eine Umfassungsmauer, befindet sich der historische Garten von Ca‘ Dolfin-Marchiori.

Entgegen dem Abriss
Das Thema Landschaft diente als direkte Inspiration für das Projekt. Der Bauherr und Eigentümer des Unternehmens, welches das Grundstück vor Jahrzehnten genutzt hatte, wollte ursprünglich den vollständigen Abriss des bestehenden Gebäudes. QB Atelier schlug stattdessen eine Lösung vor, welche die industrielle Vergangenheit des Ortes würdigte und wiederbelebte. Der am Eingang gelegene Garten entstand durch den Abriss des Fabrikdachs und den Rücksprung des Gebäudevolumens. An zwei seiner Seiten ranken Sternjasminpflanzen empor, deren Laubwerk sich optisch bis in die Baumkronen des angrenzenden Parks erstreckt. Lediglich eine kleine, schwarz lackierte Eisentür bietet Zugang zu dem von hohen Mauern umschlossenen Garten.

Der Neubau nimmt die Form eines kompakten Baukörpers innerhalb des erhaltenen Umrisses der bestehenden Grundstücksmauer an, die statisch verstärkt wurde. Innerhalb dieses Rahmens erstreckt sich die Wohnung über zwei Etagen und schafft ein Wechselspiel von Volumen, die sich in das angrenzende Gebäude und in einen kleinen Hinterhof erstrecken. Zum Garten hin öffnet sich der grosszügige Wohnbereich über beide Ebenen hinweg und trennt Innen- sowie Aussenraum mittels einer grosszügigen Verglasung, die von einem üppigen Gitter aus Brettschichtholz eingerahmt wird. Diese weitläufige Innenfassade betont den vertikalen Rhythmus des Gebäudes, geht nahtlos in die Dachkonstruktion über und unterstreicht das Profil mit den zwei Giebeln, das der zum Platz hin gerichteten Wand entspricht. Von aussen bleibt das Haus vollständig verborgen, bis man durch die kleine Eisentür tritt und die Entdeckungsreise beginnt. ●



