An der Natur orientierte Architektur

Beim Kombibad «Balneon» in Neustadt am Rübenberge (D) hat die pbr Planungsbüro Rohling AG Schwimmen, Fitness und Sauna unter einem Dach vereint.

orientierte Architektur
Der Baukörper stellt das Geschehen im Innenraum über großflächige Glasfassaden bewusst nach außen dar. Fotos: Christian Bierwagen
Entspannung und Erlebnis
Beim Kombibad «Balneon» in Neustadt am Rübenberge (D) hat die pbr Planungsbüro Rohling AG Schwimmen, Fitness und Sauna unter einem Dach vereint.
Der in grossen Teilen zweigeschossige Baukörper des neuen Kombibads «Balneon» in Neustadt am Rübenberge (D) stellt das Geschehen im Innenraum über grossflächige Glasfassaden bewusst nach aussen dar. Nutzungsbezogen werden individuelle Gebäudeteile über die Kubatur definiert und damit eine Verzahnung mit der Landschaft erzeugt. Das Erdgeschoss nimmt alle Funktionen des Bades, der Sauna und der Verwaltung auf, während das Obergeschoss neben dem Luftraum der Badehalle, Erweiterungsflächen für die Sauna, einen Fitnessbereich und Räumlichkeiten für die Lüftungszentrale bietet. Der Keller dient allein der technischen Versorgung der Anlage. Die Innenraumgestaltung ist geprägt durch helle Räume mit wenig dunklen Farbakzenten. Das Farbspiel ist der Natur entnommen. So dienten im Saunabereich Naturphänomene wie Birkenwald, Torfstapel und Geysir als Ideengeber, während im Schwimmbad starke farbliche Kontraste dominieren.Das funktionale Bad vereint die Themenbereiche Schwimmen, Fitness und Sauna, die durch ein gastronomisches Angebot abgerundet werden. Insgesamt acht Schwimmbecken mit einer Gesamtwasserfläche von rund 1500 m² stehen Badegästen zur Verfügung. Neben einem 25-Meter-Sportbecken mit Sprungturm sorgen ein Naturbad, ein ganzjährig beheiztes Aussenbecken und eine 70 Meter lange Röhrenrutsche für Abwechslung. Über das grosszügige Foyer betreten die Badegäste das Sport- und Erlebnisbad. Mit Empfangstresen, dem gastronomischen Bereich, Wert- und Helmfächern dient es als Umschlagplatz und Orientierungspunkt für alle Besuchergruppen und leitet direkt in die Umkleiden über. Diese wurden als Mischsystem für Sauna- und Badegäste konzipiert und bieten sowohl Sammel-, Einzel- als auch Wechselumkleiden. Barrierefreie Umkleiden wurden mit dem Gedanken der Inklusion bewusst integriert, werden aber dennoch den speziellen Bedürfnissen dieser Gästegruppe gerecht.

Sauberes Wasser ohne Chemie

Der Outdoorbereich mit Ganzjahresaussenbecken und Freibad wird über eine grosszügige Terrasse erschlossen. Weiter im Süden des Geländes befindet sich, umgeben von vielfältigen Aufenthalts-, Liege-, Sport- und Regenerationsflächen, der Naturbadeteich. Dieser zeichnet sich durch ein ökologisches Filtersystem aus und kommt vollständig ohne Chemie aus. Die Filterung des Wassers erfolgt durch Pflanzen und Gesteine. Das kleine Ökosystem des Badesees ist vollständig in der Lage, Bakterien oder Keime, die in das Wasser gelangen, abzubauen. Durch die ständige Kontrolle der Wassertemperatur, der Sauerstoffsättigung und des pH-Werts wird eine hohe Wasserqualität gewährleistet. Monatlich werden ausserdem Nitrat, Phosphor und der Härtegrad des Wassers gemessen.

Über rundum angeordnete Skimmer wird das abgebadete Wasser abgezogen und in einem Rohwasserpumpschacht gesammelt. Von hier aus wird dieses über Pumpen dem beregneten Bodenfilter zugeführt. Im Bodenfilter passiert das Wasser die mit Biofilm bewachsenen Kornoberflächen. Abbaubare organische Stoffe werden von den Mikroorganismen im Biofilm verstoffwechselt und entweder in Form von Biomasse eingelagert oder als Abbauprodukt in Form von CO₂, CH₄ oder N₂ ausgegast.

Entspannung garantiert

Der Saunabereich wird von Besuchern über die Badehalle erschlossen. Um die Saunaterrasse gruppieren sich der Vorreinigungsbereich, die Innensaunen und der Abkühlungsbereich. Auch der Ruhebereich, die Gastronomie und der Zugang zu Schwitz- und Abkühlungsangeboten im Aussenraum sind an die Terrasse angeschlossen. Dabei gehen introvertierte Rückzugs- und Ruhebereiche fliessend in den kommunikativen Gastronomiebereich über. Sowohl der Saunabereich als auch das Ruhe- und Erlebnisangebot können sukzessive erweitert werden, falls dies aufgrund steigender Besucherzahlen gewünscht ist.

Der Wärmebedarf für das neue Kombibad wird über zwei gasbetriebene Wärmeerzeuger gedeckt. Die Grundlastabdeckung erfolgt durch ein Blockheizkraftwerk (BHKW), dessen thermische Leistung 164 kW beträgt. Parallel wird vom BHKW eine elektrische Leistung von bis zu 100 kW generiert, die entweder im Stromnetz des Bads genutzt oder ins öffentliche Stromnetz eingespeist wird. Für die Optimierung eines wirtschaftlichen Betriebs des BHKW werden drei in Reihe geschaltete Pufferspeicher mit einem Gesamtvolumen von 12 m³ vorgesehen.

Zur Bereitstellung des Warmwasserbedarfs wurden drei separate Warmwasserbereitungsanlagen für die Bereiche Schwimmbad (Umkleiden/Duschen), Sauna und Gastronomie vorgesehen. Die Trinkwassererwärmung erfolgt mittels Speicherladesystem.

Effiziente Wärmerückgewinnung

Um sowohl die Luftmengen als auch die Anordnung der Zu- und Abluftdurchlässe zu optimieren, wurde mit Beginn der Planung eine Raumluftströmungssimulation durchgeführt. Im Ergebnis werden die unterschiedlichen Badebereiche in der Badehalle durch individuell angepasste Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung bedient. Je nach Nutzungsbereich wird eine Wärmerückgewinnung von 75 bis 80 Prozent erzielt.

Die Zuluftverteilung für die Schwimmhalle erfolgt über Lüftungskanäle. Angeschlossene Drallauslässe blasen die Zuluft von der Zwischendecke in den Aufenthaltsraum ein. Entlang der Wände in der Decke angeordnet, befinden sich Schattenfugen, über welche die Abluft abgesaugt, in die Zwischendecke eingeführt und schliesslich an der Wand zum Technikraum abgeführt wird. Um im Eltern-Kind-Bereich eine behagliche Atmosphäre zu gewährleisten, besteht hier die Möglichkeit, die Zuluft über ein Nachheizregister zu erwärmen. Die Zu- und Abluftanlage für das Kursbecken arbeitet mit einem Volumenstrom von bis zu 8600 m³/h. Dabei wird die Luftmenge in Abhängigkeit der Abluftfeuchtigkeit geregelt. Im Bereich der Umkleiden und Duschen wird die Abluft der Umkleiden effizient genutzt und den Duschbereichen als Zuluft zugeführt. Die nur gering belastete Abluft aus den Umkleiden dient zum Abtransport der Luftfeuchtigkeit aus den Duschen und wird auf diese Weise sinnvoll ein zweites Mal genutzt. ●

orientierte Architektur
Um die Saunaterrasse gruppieren sich der Vorreinigungsbereich, die Innensaunen und der Abkühlungsbereich.
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Im Schwimmbad dominieren starke farbliche Kontraste.
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Das Ruheangebot kann sukzessive erweitert werden, falls dies aufgrund steigender Besucherzahlen gewünscht ist.
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