Coole Drehung

Seit 2016 zeichnet die Energiestadt Einsiedeln Projekte mit dem Energie- und Förderpreis aus, die mit innovativen Technologien neue Wege für eine effiziente Nutzung von Energie, den Klimaschutz, erneuerbare Energien oder umweltverträgliche Mobilitätskonzepte beschreiten. Der Energiepreis 2025 ging an KST AG für die in Eigenregie geplante und im Neubau realisierte Weltneuheit «CoolShift».

Der Neubau befindet sich in der Einsiedler Gewerbe- und Industriezone Kobiboden.

Der Co₂-neutral betriebene und im Juli 2025 bezogene Neubau der KST AG bündelt die bisherigen 4 Standorte in der Einsiedler Gewerbe- und Industriezone Kobiboden. Das von Hasler Limacher Architekten entworfene Gebäude dient primär als Manufaktur und zu Bürozwecken. Dafür enthält es unter anderem ein Hochregallager mit 126 Lagerplätzen, mehrere Büro- und Sitzungszimmer und ein interdisziplinäres Atelier, in dem individuelle Raumklimalösungen zusammen mit Fachplanenden, Architekturbüros und Bauherrschaften entwickelt werden können.

Die Form des klar strukturierten Baukörpers ergibt sich massgeblich aus seiner Funktion.

Was sich im und auf dem Gebäude zuträgt, hat gebäudetechnisch wahrlich Vorbildcharakter. «CoolShift» ist ein innovatives Energie- und Kühlsystem. Entstanden ist dieses aus einer Forschungsinitiative der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) in Zusammenarbeit mit der Hochschule Luzern (HSLU), der Ostschweizer Fachhochschule (OST) und der KST AG. Die Grundlagen wurden im Rahmen einer vom Bund finanzierten Machbarkeitsstudie entwickelt. Nach Abschluss der Forschungsarbeiten Ende 2023 entwickelte das Unternehmen das daraus resultierende Konzept für die praktische Anwendung weiter. Der Einsatz im eigenen Firmengebäude war die logische Konsequenz. «Das Konzept hat uns von Anfang an überzeugt. Es war für uns nicht nur eine Chance, unsere eigenen Produkte einzusetzen, sondern auch eine Möglichkeit, eine innovative Technologie weiterzuentwickeln und damit zu einer sparsameren Gebäuderückkühlung beizutragen», sagt Beat Schönbächler, Gründer und Inhaber der KST AG, das primär Wasserkühl- und -heizdecken entwickelt und herstellt.

Auf Grundlage traditioneller Verfahren

Als Vorbild von «CoolShift» dient ein bereits im alten Persien genutzter Ansatz. Die Grundidee basiert bei der Gebäuderückkühlung auf einem physikalischen Prinzip, das schon in den Wüstenregionen des alten Persiens genutzt wurde: Gebäude wurden nachts über grossflächige Wasserbecken gekühlt, indem die im Wasser gespeicherte Wärme an den klaren Nachthimmel abgegeben wurde. Dabei kommen bewährte physikalische Prozesse wie in erster Linie Wärmestrahlung, Wärmeleitung und Konvektion zum Einsatz.

Überschüssige Wärme wird nachts mithilfe des Wassers an die Module und schliesslich an den Nachthimmel abgegeben.

In Ableitung dessen, ist in Einsiedeln ein System mit Panels entstanden, bei dem in den Betondecken verlegte Wasserrohre und die Wärmeüberschuss abgebenden Emitter-Module für den kühlenden Effekt sorgen. So wird die tagsüber im Gebäude entstandene überschüssige Wärme im Beton gespeichert und nachts mithilfe des Wassers an die Module und schliesslich an den Nachthimmel abgegeben. Das in die Betondecken zurückgeführte Wasser kühlt das Gebäude über Nacht herunter – CO₂-frei und nahezu ohne Energieaufwand. Seit Mai 2026 sind im Neubau der KST AG 144 «CoolShift»-Panels installiert. Das Projekt zeigt beispielhaft, wie Forschung erfolgreich in die Praxis umgesetzt werden kann, und bietet eine zukunftsweisende Antwort auf steigende Temperaturen und den wachsenden Bedarf an energieeffizienten Kühllösungen. Nun beginnt der Prozess, in dem die Lösung allenfalls in die Markttauglichkeit überführt wird. «Gehobene Segmente wie Retail oder Hotels gehören dabei kaum zur Zielgruppe. Erfahrungsgemäss sind dort streng kontrollierbare Innenraumtemperaturen mit wenigen Abweichungen über den Tagesverlauf gefordert. Dafür wäre jedoch ein zusätzlicher Energieaufwand erforderlich», erklärt Beat Schönbächler. Er sieht das System vielmehr an öffentlichen Einrichtungen wie Museen oder Schulen. Bis diese Phase erreicht ist, bedarf es hingegen noch einiger Umdrehungen.

kstag.ch

Die Büroräume und das hinsichtlich seiner räumlichen Präsenz eindrucksvolle, in Sichtbeton gehaltene Treppenhaus sprechen eine moderne Sprache – zugleich sind sie ein begehbarer Showroom.

Das Hochregallager des unter anderem als Manufaktur genutzten Gebäudes verfügt über 126 Lagerplätze mit einem Lagervolumen von knapp 10 000 Kubikmetern.

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