Funktion und Form unter einem Dach

Der neue Werkhof in Sissach vereint alle seine Funktionen unter einem weit auskragenden Dach.

Sissach
Ansicht der Westseite des Gebäudes mit überdachtem Aussenlager und Salzsilo.
Werkhof Sissach
Der neue Werkhof in Sissach vereint alle seine Funktionen unter einem weit auskragenden Dach.
Wie kann ein Werkhof aussehen? Ist diese Art Zweckgebäude lediglich eine Hülle für unterschiedliche Nutzungen und Funktionen? Der Werkhof in Sissach zeigt beispielhaft, wie aus einer primär funktionalen Bauaufgabe ein architektonisch und konstruktiv anspruchsvolles Projekt entwickelt werden kann.Die Arbeitsgemeinschaft Voss Architects / Ebeling Architekten verweist damit auf Vorbilder verwandter Nutzbauten aus dem ländlichen Umfeld. Doch hinter der scheinbar einfachen Holzkonstruktion verbirgt sich mehr.

Alle Bereiche sind unter dem einheitlich gestalteten, hundert Meter langen Satteldach zusammengefasst. Der Grundriss gliedert sich in drei Abschnitte: den zweigeschossigen Verwaltungsbereich mit dahinterliegenden Werkstätten im Osten, die Einstellhalle in der Mitte und das überdachte Aussenlager im Westen. Durch die mittige Platzierung des Baukörpers auf dem Areal sind Erschliessung und Anlieferung von beiden Längsseiten her möglich. Das verleiht dem Tiefbauamt Baselland als Nutzer Flexibilität und Übersicht.

Analogie zur bäuerlichen Tenne

In der Gestaltung stellen die Architekten eine Analogie zu verwandten ländlichen und gewerblichen Nutzbauten her: etwa zum Bild der bäuerlichen Tenne. Als Kontrast durchbricht der rund 24 Meter hohe Turm des Salzsilos die lang gezogene Dachfläche und setzt damit ein weit sichtbares Zeichen im heterogenen Industriegebiet. Die Form ist an die historischen Bohrtürme der Salinen im Baselland angelehnt.

Hinter dem schlichten Gebäude verbirgt sich ein ausgeklügeltes Tragwerkkonzept, welches das rund 2900 m² grosse Satteldach möglich machte. Das Haupttragwerk besteht aus hoch druckfestem Buchenfurnierschichtholz. Die auf Biegung beanspruchten Sparren sind aus Fichtenholz. Bei dieser gemeinsam mit ZPF Ingenieure entwickelten innovativen Holzkombination ist die Höhe der Tragkonstruktion durch die Minimierung der Querschnitte optimiert.

Auch konnten damit die Kosten reduziert und eine gute CO₂-Bilanz erreicht werden. Als Generalplaner sorgten Rapp Architekten dafür, dass der Neubau bei laufendem Betrieb in nur drei Monaten Rohbauzeit beziehungsweise elf Monaten Gesamtbauzeit erstellt werden konnte. Der Ausbau ist einfach und funktional und erfolgte mit unbehandelten Oberflächen und sichtbaren Installationen.

Der Einsatz der Holzarten entsprechend ihren Materialeigenschaften ermöglichte das schlanke Satteldach, unter dem sich alle praktischen Funktionen und Aufgaben des Werkhofs sinnvoll vereinen. Die Architekten gestalteten aus einem scheinbar einfachen Nutzbau eine anspruchsvolle Architektur, deren Erscheinungsbild auf die traditionellen Motive der umgebenden Kulturlandschaft verweist. Konstruktion und Form ergänzen sich dabei zu einem harmonischen Ganzen. Alles unter einem Dach.

Zur Tragstruktur

Die Tragstruktur des Gebäudes in Holzbauweise ist auf das Optimum reduziert und besteht lediglich aus Dachelementen, Längsbalken, Wandelementen, Stäben und Stützen. Die Materialisierung folgt der Beanspruchung in Buchenfurnierschichtholz (Druck), Fichtenholz (Biegung) und Stahl (Zug). Die Dachelemente (Sparrensandwich) liegen auf den Längsträgern, die durch das Sprengwerk im regelmässigen Raster von 6,5 Meter gestützt werden. Das Sparrensandwich und die Sprengwerkträger liegen in derselben Ebene. Die grosse Auskragung auf der Südseite wird zusätzlich abgestützt. Das Spannband aus Vollstahl übernimmt die horizontalen Zugkräfte und ermöglicht eine gleichmässige Lastverteilung auf die beiden Stützenachsen.

Die Fundationen und die Bodenplatte sowie die Tragstruktur des zweistöckigen Trakts, also Decken, Wände und Stützen, sind in Stahlbetonbauweise erstellt. Die nicht tragende Aussenwandkonstruktion ist in Leichtbauweise in Holz (Ständerwand) erstellt, nicht tragende Innenwände sind in konventioneller Leichtbauweise gefertigt.

Die Gebäudelasten werden wegen der wenig tragfähigen Auffüllung über Mikropfähle direkt in den gut tragfähigen Ergolzschotter geleitet. Auf den Pfahlbanketten liegen biegesteif verbundene Stahlbetonriegel, die als Durchlaufträger wirken und als Auflager für die schlaff bewehrte Bodenplatte mit einer Stärke von 20 bis 25 Zentimeter dienen. ●

Bautafel

Architektur Voss Architects GmbH und Ebeling Architekten GmbH

Generalplaner / Bauleitung Rapp Architekten AG

Tragwerkplaner ZPF Ingenieure AG

Heizungs-, Lüftungsplaner / Bauphysik Waldhauser + Hermann AG

Elektroplaner HKG Engineering AG

Sanitärplaner Sanplan Ingenieure AG

Brandschutzplaner Visotec Technical Consulting AG

Umgebung Berchtold + Tosoni AG

Sissach
Ansicht der Süd- und der Ostfassade mit dem Eingang zur Administration und den Zufahrten zur Einstellhalle. Fotos: Barbara Bühler
Sissach
Das auskragende Vordach an der Südseite mit den Zufahrten zur Einstellhalle.
Sissach
Blick in die Einstellhalle.
Sissach
Axonometrie: Voss Architects / Ebeling Architekten
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