Hoch hinaus mit Holz und BIM
Der Holzbau, bereits seit Jahrzehnten in der dreidimensionalen, digitalen Welt zu Hause, ist prädestiniert für Building Information Modeling, kurz BIM.

Die «Suurstoffi» in Rotkreuz hat es in sich. Auf dem rund 100 000 Quadratmeter grossen Areal entsteht seit einigen Jahren Stück für Stück ein durchmischtes, klimaneutrales Quartier, in dem sich Wohnen, Arbeiten und Freizeitaktivitäten durchdringen. In diesem spannenden Umfeld zeigt der Holzbau Spitzenleistungen: Im letzten Sommer ist mit dem Bürogebäude S22 das erste Holzhybridhochhaus der Schweiz bezogen worden – ein Zehngeschosser. Die nationale Jury des «Prix Lignum» 2018 hat diese Premiere mit dem Silberpreis gewürdigt.Auf einem anderen Baufeld in der «Suurstoffi» entsteht derzeit der neue Informatik- und Finanzcampus der Hochschule Luzern (HSLU). Zwei der drei Gebäude werden in Holzhybridbauweise erstellt. Das eine, wiederum ein Hochhaus, wird nach seiner Fertigstellung dieses Jahr mit 15 Geschossen und 60 Metern Bauhöhe das schweizweit höchste Holzgebäude sein. Der Bau hat einen passenden Namen: Er heisst «Arbo», eine Verkürzung aus dem lateinischen «arbor», was «Baum» bedeutet.
Die Einbindung des Holzbaus ist Teil der Nachhaltigkeitsstrategie der Bauherrin Zug Estates. Auf dem «Suurstoffi»-Areal ist nicht nur das eingangs erwähnte erste Hybridhochhaus unter Nutzung modernster Holzbautechnologie entstanden, sondern zuvor wurden dort auch bereits 9 Wohnhäuser mit 156 Wohnungen in Holz- und Holzhybridbauweise erstellt – die grösste Holzbausiedlung der Zentralschweiz.
«Mit BIM», so Hansueli Schmid von Lignum Technik, «ergeben sich beim Bauen unschätzbare Vorteile. Planerische Fehler, die früher erst auf der Baustelle sichtbar wurden, sind heute schon im dreidimensionalen Modell erkennbar und mit ein paar Klicks einfach und günstig zu korrigieren. Die Planung ist damit zwar aufwendiger – die Ersparnisse durch Mängel, die vermieden werden konnten, Bauunterbrüche und unvorhergesehene Regiearbeiten machen den Mehraufwand aber längstens wett.»
«BIM schafft Prozesssicherheit», bekräftigt Holzbauingenieur Thomas Rohner, Vorstandsmitglied von Bauen digital Schweiz und seit 2015 Professor für Holzbau und BIM an der Berner Fachhochschule. «Waren traditionelle Entwurfsmethoden auf zweidimensionale technische Zeichnungen und Schemata beschränkt, hat die 3-D-Modellierung erst einen vollständigen Prozess ermöglicht. Je nach Reifegrad geht BIM sogar noch weiter und bezieht die Zeit als vierte ‹Dimension›, die Kosten als fünfte, die Nachhaltigkeit als sechste und das Facility-Management als siebte Dimension mit ein.»
Ausgefeilte Planung ermöglicht sportlichen Zeitplan
Davon profitiert der Bau des neuen HSLU-Campus in Rotkreuz. Im Zentrum der Planung für den neuen Campus der HSLU steht das BIM-Modell mit Datenbank. Darin werden alle bauteilrelevanten Informationen an einem Ort gesammelt und verwaltet – für etwa 40 verschiedene beteiligte Firmen mit Hunderten von Beschäftigten. Aus dem Modell werden unter anderem Werkpläne, Ausschreibungsdokumente und Mengenauswertungen für die Ausführung erstellt – es gibt auf der Baustelle keinen Prozess, der nicht modellbasiert abläuft.
Projektbeteiligte wissen jederzeit genau, wann was auf die Baustelle geliefert wird und wann wo welches Bauteil verbaut wird. Der Rückfluss von Informationen macht es möglich, dass die Datenbank auch für die Projektkontrolle verwendet werden kann: Denn die Ausführung wird laufend gemessen und mit der Planung abgeglichen.
Just-in-time-Holzbau als Kernelement im Bauablauf
Damit der Bezug wie geplant im Herbst 2019 erfolgen kann, setzt Zug Estates auf BIM in direkter Verknüpfung mit Lean Construction, einer ausgefeilten Logistikplanung und Holzbau auf der Höhe der Zeit. Zuständig dafür ist Erne Holzbau. Die Laufenburger Firma war bereits beim oben erwähnten ersten Holzhybridhochhaus S22 auf dem «Suurstoffi»-Areal – ebenfalls ein BIM-Projekt – als Systemgeber, Holzbauingenieur und Realisierungspartner in führender Rolle beteiligt. Erne produziert alle Holzelemente im Werk aus dem dreidimensionalen Modell. Die Anlieferung erfolgt im Just-in-time-Prinzip, was die Bauzeit vor Ort erheblich verkürzt. Pirmin Jung, Holzbauingenieur und Brandschutzplaner für «Arbo», lobt den BIM-Prozess auch in der Brandschutzplanung als hocheffizient: Alle Eigenschaften liessen sich im Modell erfassen, woraus die Pläne für den Holzbau generiert worden seien. ●
BIM-Datenbank für den Holzbau
Lignum stellt mit Lignumdata eine offene Datenbank mit Baulösungen aus Holz bereit. Bauprodukte und Bauteile können nach Anforderungen gefiltert werden. Über die API-Schnittstelle sind die Daten auf verschiedenen Plattformen vernetzt oder können im offenen IFC-Standard direkt in CAD-Programme importiert werden. Lignumdata bietet mit produktneutralen Informationen eine Basis für die Zusammenarbeit in der BIM-Arbeitsmethode.
