Reminiszenz an den Wandel der Zeit
Auf dem Basler Dreispitz-Areal befindet sich das modernste Tonstudio der Schweiz.

Es ist die Durchmischung von Gewerbe, Wohnen, Kultur und Freizeit, die das Dreispitz-Areal in seiner aktuellsten Entwicklung prägt. Auch das neue Tonstudio an der Oslo-Strasse reiht sich in diese Nutzungsvielfalt ein. Dort, wo seit kurzem an aussergewöhnlichen Tracks und Beats herumgetüftelt wird und neue Ohrwürmer in die Produktion gehen, besänftigte lange Zeit ein Parkplatz den Werksbetrieb von Industriefahrzeugen, ehe das rein industriell genutzte Areal allmählich zum städtischen, prosperierenden Gebiet transformierte, als das es sich heute präsentiert.Als noch immer industrielle und schnörkellose Umgebung bezeichnet der Architekt Christian Schneider diesen städtischen Raum. Er leitet zusammen mit Claudia Perrone das für den Innenausbau zuständige Architekturbüro ps architektur. Und tatsächlich sind diese Attribute ausreichend vorhanden, als sicht- oder spürbare Spuren zwischen allem Neuen, das hier entsteht. Der Einbau des Tonstudios lehnt sich an diese Vergangenheit an – mitunter mit seiner schlichten, beinahe sachlichen Materialisierung und Innenausstattung.
Vor knapp zwei Jahren, 2015, war es ein Neubau, der schliesslich den ehemaligen Parkplatz ersetzte und bis zum Einbau des Tonstudios seinen rohen Zustand behielt. Rohe Betonböden und Betondecken mithin als Ausgangslage für das schweizweit modernste Tonstudio, das neben einer Dolby Surround auch über eine Dolby-Atmos-Technik verfügt. Die Herausforderung dabei: Der reine Innenausbau hatte die komplexen Ansprüche an die Akustik mit den allgemeinen baulichen Anforderungen auf einen Nenner zu bringen.
Die betrieblichen Abläufe eines Aufnahmestudios sind vordefiniert, mithin die räumliche Anordnung und Gestaltung, die räumlich geforderten Dimensionen der einzubauenden Studioeinheiten, ihre Geometrie, aber auch die akustischen Gesetzmässigkeiten. Die einzelnen Studioeinheiten sollten so grossräumig wie möglich errichtet werden und zusammen zu einer ausgewogenen Raumlandschaft beitragen, welche mitunter neben einem Aufnahmesaal auch Platz haben sollte für zwei Regieräume, für ein Eventlokal und eine Empfangslounge.
Insbesondere bei den Studioeinheiten galt es widersprüchliche bautechnische Anforderungen zu erfüllen, Massnahmen der Akustik und Erdbebensicherheit gleichermassen zu berücksichtigen bzw. ein System zu finden, welches die richtigen Bauteile für eine optimierte Akustik trennt und für eine sichere Verankerung verbindet. Eine Diskrepanz, die auch den Entwurf leitet und den Kernpunkt des Einbaukonzepts bildet. Dazu gehört auch das Kriterium «House in House», welches mit komplett voneinander getrennten Ton- und Aufnahmestudios bzw. mit akustisch autonomen Einheiten operieren will. Räumlich setzt ps architektur diese Liste von Vorgaben mit Einzelkuben um, die je nach Gebrauch mit unterschiedlichen Höhen in Erscheinung treten. Jedes Studio ist also ein einzelner Kubus. Ihre inneren Oberflächen dienen allesamt der Raumakustik und werden mit Akustikmodulen ausgestattet, die wiederum die Absorption, Reflexion oder Streuung der Schallwellen optimieren. Freischwingende Decken sorgen dafür, dass keine Schallwellen auf aussenliegende Räume übertragen werden. Zusätzlich ist die Decke des Aufnahmeraums auch noch freihängend. Mit Hilfe von Stahlträgern vermag die zwanzig Tonnen schwere Decke diese Spannweite von acht Metern zu überwinden.
Der Bar- bzw. Eventbereich richtet sich an prominenter Lage, über Eck an der Glasfassade, zum angrenzenden Aussenplatz aus. Das eigentliche Sitzungszimmer ist erhöht, damit die Barküche darin integriert werden kann. Die Theke der Bar ist aus rohem Sichtbeton, der Kubus mit den Sitzungszimmern mit dunkel geölter lasierter Seekiefer verkleidet. Er gliedert als Raummöbel den Grundriss und trennt den betriebsinternen Teil mit den Büros vom betriebsöffentlichen Teil, vom Foyer und der Bar.
Bautafel
Bauherrschaft Oslo Studios AG, Münchenstein
Architektur ps architektur, perroneschneider gmbh, Basel
Elektroingenieur Etavis, Kriegel + Schaffner AG Basel
HLK Gisiger + Madörin AG, Muttenz
Akustiker applied acoustics GmbH, Gelterkinden
Statiker Schmidt + Partner AG, Basel








