Von der Sonne gekitzelt
In vorzüglicher Lage von Möriken weicht ein sanierungsbedürftiges 100-jähriges Wohnhaus einem Neubau. Das mit Minergie-A zertifizierte Wohngebäude nutzt die Vorteile der Solareinstrahlung umfänglich.

mbr. Der Standort oberhalb des Dorfkerns von Möriken entwickelte sich in den Siebzigerjahren zum Einfamilienhausquartier. Eine Parzelle inmitten von Obstgärten und Rebbergen blieb davon zwar nicht unberührt, aber genoss dennoch eine gewisse Exklusivität. Aufgrund einer in früheren Jahren nicht realisierten Erschliessung am Hangfuss blieb auf jener Parzelle die vorzügliche Aussicht nach Süden bestehen. Bis 2016 erhob sich an jener Stelle ein 100-jähriges und stark sanierungsbedürftiges Wohnhaus. Aufgrund der hohen Anzahl notwendiger Eingriffe entschied man sich für einen Ersatzneubau in Holzelementbauweise.
Ein «sonniges» Konzept
Der Standort mit vorteilhafter Lage am südlichen Fuss des Chestenbergs bot Vorzüge bei der Konzeptionierung des Neubaus als Solarhaus. Alle Wohnungen erhalten ein hohes Mass an Tageslicht, die nach Süden ausgerichtete Fassade ist zudem grossflächig verglast. Ab entsprechender Innenraumtemperatur aktiviert sich der äussere Sonnenschutz raumweise. In den kalten Monaten liefert die flach stehende Sonne hingegen wertvolle passive Wärmeeinträge. Unterlagsböden und Holzdecken mit geringem Rippenabstand fungieren im Gebäudeinneren als Wärmespeicher. Statt einem Heizsystem mit Wärmeverteiler beheizen Holzöfen die Innenräume – ein kompletter Verzicht auf zusätzliche Wärmeerzeugung ist aufgrund der regelmässigen Nebellage nicht möglich.
Innere Struktur
Der Neubau verfügt im Erd- und Obergeschoss jeweils über eine Maisonettewohnung mit 5,5 Zimmern und direktem Gartenzugang. Eine Attikawohnung mit 3,5 Zimmern bildet den Abschluss. Indem man diesen Gebäudeteil im Versatz zum Hang orientierte, entstand eine grosszügige Dachterrasse sowie ein überdachter Vorplatz als Begegnungszone aller Bewohnenden. Ein gemeinschaftlich genutzter Keller vervollständigt das Nutzungskonzept.
Alle Wohnungen verfügen über individuelle Komfortlüftungsanlagen mit Wärme- und Feuchterückgewinnung sowie über Wärmepumpenboiler, die zur Aufbereitung des Warmwassers und als thermische Solarstromspeicher genutzt werden. Der Eigenstromverbrauch wird dahingehend optimiert. Denn die Photovoltaikanlage auf dem Dach produziert jährlich 13 000 kWh an elektrischer Energie, benötigt werden hingegen lediglich rund 9300 kWh pro Jahr. Aufgrund von Netzbezügen ist der Autarkiegrad auf 40 bis 50 Prozent beziffert.
Im Sinne der Nachhaltigkeit
Neben dem Einsatz von Solarenergie unterstreicht die Verwendung von lokalen Baustoffen für Gebäudekonstruktion und Materialisierung den hohen Anspruch an Nachhaltigkeit. Das Wohnhaus in Möriken wurde nach Minergie-A zertifziert, erfüllt aber zahlreiche weitergehende Kriterien des nachhaltigen Bauens. Um die graue Energie möglichst zu minimieren, kam vorzugsweise Holz als Baustoff zur Anwendung. Holzständerwerk mit Zellulosedämmung und verputzte Gipsfaserplatten zur inneren Beplankung bilden die Aussenwände, Rippenplatten mit sichtbaren Balken die Decken. Die hinterlüftete Fassadenbekleidung, die dem Gebäude eine markante und eine vertikal strukturierte Erscheinung verleiht, besteht vollständig aus einheimischer Weisstanne. Bodenplatte und erdberührte Umfassungsmauern entstanden vollständig in Recyclingbeton. Mit 11 kWh/m²a erfüllt man dadurch den strengen Grenzwert der grauen Energie nach Minergie-Eco. Weil man sich auf überwiegend natürliche Baustoffe und lösemittelfreie Produkte beschränkte, unterschreitet die gemessene Raumluftqualität die Vorgaben von Minergie-Eco. ●
Bautafel
Standort Hohbühlweg, Möriken
Architektur Martin Burger – Architektur & Nachhaltigkeit
Holzbau Schaerholzbau AG
Fertigstellung 2018
Grundstücksfläche 962 m²
Geschossflächen 549 m²
Energiebezugsfläche 498 m²
Gebäudevolumen Wohnhaus 1894 m³
Gebäudevolumen Carport, Keller 315 m³







