Das neue Kreativ- zentrum

Handwerk, Design und Kreativität vereinen sich. In Zürich sind 20 eigenständige kreative Unternehmen unterschiedlicher gestalterischer und produzierender Disziplinen in das House of Interiors (HOI) eingezogen.

Bilder: Holger Jacob

Stücheli Architekten, Halter AG und PSP Swiss Property AG planten und bauten den Ersatzneubau «Büro- und Dienstleistungsgebäude für Gewerbe- und Wohnzone B2Binz». Der Baukörper erstreckt sich vom Bahnhof im Norden bis an die Grubenstrasse im Süden, wo die schmale Stirnfassade in die Höhe ragt. Lange Bandfenster laufen rund um das Gebäude und betonen im Wechseltakt mit den Aluminium-verkleideten Brüstungen die Horizontale. Die abgetreppte Ostfassade vermittelt zwischen den grossmassstäblichen Gewerbebauten im Westen und der angrenzenden Wohnsiedlung. Gleichzeitig generieren die vorgelagerten Volumina attraktive Terrassen für die ab dem vierten Obergeschoss angesiedelten Dienstleistungsbetriebe. Die unteren Geschosse sind dem produzierenden Gewerbe vorbehalten. Trägerschaft des House of Interiors (HOI) ist die Firma Hyrock AG. Nach und nach haben sich in den letzten Jahrzehnten in der Binz Architektur- und Innenarchitekturbüros angesiedelt. Nur vier Minuten mit dem ÖV vom Zürich HB entfernt, entwickelte sich das Gebiet wunschgemäss zur Zone mit neuen Wohnungen sowie Planungs- und Designbüros.

Das Gründerteam

Alessandro Carroccia, CEO von Hyrock, sowie die Innenarchitektin und Unternehmerin Iria Degen gründeten gemeinsam das HOI. Ihre Vision, einen Ort zu schaffen, an dem Handwerk, Design, Kreativität und Produktion auf hohem Niveau zusammenkommen, wurde mit der Eröffnung des House of Interiors (HOI) Wirklichkeit. Mutig wurde innerhalb von relativ kurzer Zeit und dank langjähriger Erfahrung in Architektur und Projektentwicklung geplant und Ankermietende ausgewählt. Wer sich dazu einbringen wollte – und das waren die meisten der Mietenden – wurde mit Teilen des Innenausbaus beauftragt, lernten so das Haus und die Mitbewohnenden bereits kennen und genossen einen auch finanziell erfolgreichen Start in ihren neuen Räumlichkeiten. Als es 2025 mit 3400 Quadratmetern und auf zwei Etagen eröffnet wurde, waren bereits zwanzig Mietende eingezogen. Sie hatten soeben ihren ersten grösseren Auftrag abgewickelt, nämlich als Dienstleistende zum Innenausbau oder zur sonstigen Gestaltung beigetragen, und sich dabei untereinander bereits kennengelernt. Ein cleverer Schachzug der Investierenden und eine Win-win-Situation für alle.

Innenarchitektin und Unternehmerin Iria Degen und Alessandro Carroccia, CEO von Hyrock

Co-Gründerin Iria Degen verantwortete mit ihrem Team den Innenausbau. Sie orientierte sich konsequent am architektonischen Gebäuderaster und schuf Transparenz durch offene Glasflächen. Das Glanzstück des zweistöckigen Gebäudes ist die in einen 4,5 Meter grossen Kreis eingebaute grosszügige, elegante Wendeltreppe aus Metall. Sie verbindet die Ateliers im Erdgeschoss mit der oberen Piazza, ein Begegnungsort für die Community.

Vernetzung von Design und Architektur

Jedes der Unternehmen konnte etwas zur Infrastruktur beitragen. Der Schreiner baute die Küche, Akustikelemente entstanden inhouse, ebenso wie alle Textilarbeiten. Die Modedesignerin Stefania Samadelli zog mit ihrer «Paradis Collections», mit Atelier samt Showroom ein. Von ihr stammt auch die Berufskleidung der Mitarbeitenden des benachbarten Textil-Ateliers.

Die Mode- designerin Stefania Samadelli zog mit ihrer «Paradis Collections» und samt Atelier ein.
Die Keramikerin Elli Kunz bei der Arbeit.

Eine Glanzidee im wahrsten Sinne des Wortes war es, die beidseitig synchron am Mittelkorridor liegende Atelierfront im Erdgeschoss von beiden Seiten her mit uneingeschränkter Durchsicht zu vermieten. So sehen Vorbeigehende und Flaneure, was sich hinter den raumhohen Fensterscheiben tut. Man sieht den Nähenden im Textil Atelier Binz zu, der Auslage der Textildesignerin Laila Fadaoui von «Mrirt» und ihren nach traditioneller marokkanischer Knüpfkunst gefertigten Produkten. Die Keramikerin Elli Kunz ist am Arbeiten oder leitet Töpferkurse, von ihr stammt auch das in natürlichen Farben getöpferte Geschirr der gemeinschaftlich genutzten Piazza im Obergeschoss. Impact Acoustic betreibt im HOI ein Labor, entwickelt und gestaltet zukunftsweisende Raumakustik mit nachhaltigen innovativen Materialien; ihre Mission ist nichts weniger, als aus Abfall funktionales ästhetisches Akustikdesign anzubieten. Der Künstler Nils Nova arbeitet an seinen grossformatigen Werken. Bei den Schreinern der Firma Plan & Werke oder Walter Montage riecht man das Holz. Das Startup Enga verarbeitet Schweizer Abfälle und produziert aus Plastikabfällen mittels 3D-Druck und Plattenpressverfahren Designobjekte und Möbel. Naturstein-Furniere und Oberflächenbearbeitung bieten die Profis von Bernhard an. Die vielseitig ausgerichteten Gipser und Maler von Peduzzi schätzen den interdisziplinären Austausch ebenso wie die Organisations-Entwicklerinnen der Neuen Wege. Hier werden New-Work-Lösungen entwickelt für Organisation, Raum und Mensch. Die Blumenhalle sorgt für den internen und externen Pflanzenschmuck und bindet Sträusse für Events. Caduff & Stocker sorgen seit Beginn für das richtige und stimmige Licht. Im Technogym-Fitness-Studio gibt es abendliche Yoga- und andere Fitness-Kurse. Die hauseigene öffentliche Café-Bar Babu’s sorgt für gute Momente und serviert drinnen wie draussen und zum Mitnehmen ihre Köstlichkeiten.

Enga macht mittels 3D-Druck Objekte aus Abfall.
Die hauseigene öffentliche Café-Bar Babu’s serviert Köstlichkeiten.

Mit der partnerschaftlichen Zusammenarbeit der HSLU – Institut für Innenarchitektur, der Hochschule des Kantons Luzern, und den Büros der Zurich Design Weeks zieht das HOI bereits weitere Kreise. Bewusst wurden zudem zwei Räume für Veranstaltungen eingeplant. Mit dem vielseitigen «Lunch & Learn» bietet das HOI für bis zu 100 Personen ein monatliches informelles, kostenloses Format zur Förderung des Wissensaustausches innerhalb der Kreativszene. Es sind all diese Ateliers und Labs mit ihren zukunftsorientierten Betreibenden, die das Haus innerhalb kurzer Zeit zu einem lebendigen und einzigartigen Hotspot gedeihen liessen. Von Beginn an dabei und ein wichtiges Element im HOI ist das Community Management mit den drei Mitarbeiterinnen Anja, Blanca und Alissa. Sie sind kompetente Ansprechpersonen und garantieren das reibungslose Funktionieren des Hauses und seiner Events.

Gross denken

An die Piazza schliessen sich neu auch die grosszügigen Räume von Iria Degen Interiors an. Hier realisiert sie mit ihren fünfzehn Mitarbeitenden weltweit Projekte – Innenarchitektur und Produktdesign – für private wie gewerbliche Auftraggebende. Im Jahr 2000, nach ihrer Ausbildung in Paris und der Zusammenarbeit mit der legendären Innenarchitektin Andrée Putman, kehrte Iria Degen in die Schweiz zurück und gründete ihr eigenes Büro, dessen subtile und elegante Formensprache Liebhabende anspruchsvoller Einrichtungen weltweit überzeugt.

Gross denken – nach diesem Motto gestalteten Iria Degen und Alessandro Carroccia ihr Leuchtturmprojekt. Sorgfalt, Offenheit, Kompetenz und ein ausgezeichnetes Netzwerk innerhalb der Szene leiteten sie. Es scheint, es leuchte bereits in und um Zürich und darüber hinweg. Denn, so Iria Degen: «Planung und Produktion gehören idealerweise zusammen, wie auch der regelmässige Gedankenaustausch unter Gleichgesinnten. Wir leben in unserer Community diese Werte, pflegen einen respektvollen Umgang und teilen die Leidenschaft des Handwerks. Gemeinsam planen und schaffen wir kreatives Design auf hohem Niveau».

houseofinteriors.ch

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