Eine Geschichte von Innovation und Transformation
Dies ist die Geschichte von zwei Architekten und gleichzeitig Designern sowie einer Innenarchitektin und gleichzeitigen Designerin, die zukunftsweisende Produkte für den Innenausbau in Hotels entwarfen, in die Schweiz brachten und als Problemlöser sowie attraktiven Blickfang einsetzen. Die Kreativen heissen Giò Ponti, Christophe Marchand und Virginia Maissen.

Ehre, wem Ehre gebührt: Gio Ponti (1891 bis 1979) war genialer Architekt, Designer, Künstler, Verleger. Er gilt als anerkannter Vater des italienischen Designs. Seine Architektur und Produkte haben Zeiten und Trends überdauert. Noch heute wirken sie zeitlos wie modern. Mailand- Reisende kennen seinen markanten Pirelli Tower (1956 bis 1960) an der Stazione Centrale. Das von ihm in den frühen 1960er Jahren erbaute, eingerichtete und bis heute fast unveränderte Hotel Parco die Principi in Sorrento zählt zu den Hotel-Ikonen der Welt. In vielen Wohnräumen sind die ikonischen Stühle der «Superleggera»-Serie (1957) in Gebrauch, 1,7 Kilogramm leicht, fragil und unzerstörbar, was Ponti einst demonstrierte, indem er einen Stuhl aus der 4. Etage auf die Strasse warf.
Aktuell erfährt die textile Falttür «dooor» ein Revival. Ponti entwarf sie in den 1950er Jahren für seine Familien-Stadtwohnung in Mailand, um Zonen zu trennen und Räume neu zu definieren. Der Schweizer Designer Christophe Marchand entdeckte das System am Salone del Mobile und vertreibt es seither mit seiner Firma 4ida GmbH in der Schweiz. Die renommierte Innenarchitektin Virginia Maissen setzte die Falttür als eine der Ersten in der Schweiz im Chalet-Hotel Schönegg in Zermatt und 2025 im Rahmen der Total-Renovation des Boutique-Hotel Speer in Rapperswil erfolgreich ein.
Geglückte, anspruchsvolle Totalrenovation
Die Neugestaltung des Sorell Hotels Speer gestaltete sich anspruchsvoll. Historische Elemente waren keine vorhanden, jedoch eine Fassade in einem ansprechenden klassischen Stil, angelehnt an die Jahrhundertwende. Der Innenausbau war vor allem schlicht und funktional, wirkte jedoch unfertig und wenig inspirierend – fast wie ein Bild ohne Rahmen, erklärt Virginia Maissen. Die Bauherrschaft wünschte sich ein Boutique-Hotel. Ziel war daher eine langlebige, zeitlose Innenarchitektur mit Boutique-Charakter und einer harmonisch eingebetteten Gestaltung mit individuell gestalteten, unverwechselbaren Elementen. Die Interior Designerin dazu: «Wir haben fast alles selbst entworfen und eigens produzieren lassen. Alte Stiche von Rapperswil dienten als Vorlage für textile Wandbespannungen, ebenso entstanden Teppiche, Bettkopfteile und Kissen mit handgezeichneten, bewusst unregelmässigen Karomustern. Zudem setzten wir auf neu interpretierte Täfelungen und einen wertigen Kammputz an den Wänden.»

Für die textile Wandtäfelung setzte das Studio Maissen auf das Gewebe «Naturtex», da dieses besonders robust und unempfindlich gegen Kofferstösse ist. Gleiches gilt auch für den Kammverputz der Wände: Er vermittelt ein schönes, lebendiges Bild und ist unempfindlich und langlebig. Für die Polster- und Sitzmöbel mit Charme und Charakter wurde intensiv recherchiert. Viele davon stammen aus Schweizer Produktionen, so wie der Stuhl-Klassiker von Bruno Rey der Firma Dietiker AG, der mit RAL-Farben in Ultramarin neu lackiert wurde und so neues Leben erhielt.
Obwohl die Rezeption nahezu rund um die Uhr besetzt ist, muss sie für Anlässe abtrenn- und abschliessbar sein. «Statt einer klassischen Tür, fiel unsere Wahl – wie bereits im Hotel Schönegg – auf das ‚doors‘-System, um die Reception von der Lobby mit der neuen Honesty-Bar abzutrennen. Die Falttüren haben einen tollen wohnlichen, textilen Charakter und sind zudem eine gute Akustiklösung», sagt Virginia Maissen. Der Boden besteht aus extra grossen Keramikfliessen mit Terrazzo-Effekt. Maissens Honesty-Bar gefiel der Bauherrschaft übrigens so gut, dass sie nun für weitere Hotels der Gruppe übernommen wird.

Geschichte des Faltens
Schon in den 1950er Jahren erkannte neben Giò Ponti ein Hersteller das Potenzial der Falttür und legte den Grundstein für ihre Produktion. Neuentwicklungen des Systems führten die textile Falttür in ein zeitgemässes Designelement, dank modernisierter Mechanismen wie das Schiebe- und Verriegelungssystem. Diese und weitere strategische Schritte führten zu einer grundlegenden Transformation: Textiltüren wurden von einem handwerklichen Produkt zu einer modernen architektonischen Lösung. Mit modularen Andocksystemen, dem Verzicht auf Bodenverankerungen bietet das Falttür-System maximale Flexibilität. Möglich sind Türen bis zu sechs Metern Höhe, potenziell unbegrenzte Breite und die Möglichkeit, komplexe Geometrien wie Kurven oder S-Formen zu schaffen, etwa eine fünf Meter lange, geschwungene Tür, die nicht nur architektonisch beeindruckt, sondern auch durch ihre Handlichkeit überrascht.
Die Material-Palette reicht von recycelten Stoffen über feuerfeste Materialien bis hin zu Naturfasern wie Wolle und Kaschmir. Jede Tür wird massgefertigt, 3D- entworfen und mit modernsten Technologien wie CNC-Maschinen und Laserschweissern produziert. Trotz dieser Innovationen bleibt der Prozess tief in der Handwerkskunst und dem Geiste des Erfinders Giò Ponti verwurzelt.
