In Wellen
Mit dem neuen Campus Struenseestrasse ist in Altona-Altstadt das derzeit grösste Schulzentrum Hamburgs fertiggestellt worden.

Nach Plänen der ARGE Rohdecan Querfeldeins entstand ein Ensemble aus zwei Gymnasien, einer Ganztagsgrundschule sowie Sport- und Freianlagen. Eine plastisch ausformulierte Keramikfassade verbindet die unterschiedlichen Gebäude zu einem zusammenhängenden Ensemble und interpretiert den für Hamburg charakteristischen Ziegelbau zeitgemäss.
Die Fassaden sind horizontal klar gegliedert. Fensterbänder wechseln mit geschlossenen Wandflächen und werden von hell gefassten Geschossgrenzen, Fensterrahmen und Dachkonturen eingefasst. Sockel und Eckbereiche sind in hellem Sichtbeton ausgeführt und zeichnen die konstruktiven Grundelemente der Baukörper nach aussen ab. Der zurückhaltende Beton bildet gemeinsam mit den hellen Fassungsdetails einen neutralen Rahmen für die farbintensiven Keramikhüllen.
Charakteristisches Element des Campus ist die keramische Fassadenbekleidung. Mit ihr wird eine zeitgemässe Interpretation der ortstypischen Hamburger Ziegelarchitektur formuliert. Statt eines kleinteiligen Verbandes prägen grossformatige Keramikplatten mit Höhen von bis zu zwei Metern die Gebäudehülle. Die wellenförmige Geometrie nimmt Bezug auf die Dachkontur der Elbphilharmonie und übersetzt damit ein prägnantes Motiv der Hamburger Architektur in die Fassade des Schulcampus.
Trotz des grossformatigen Massstabs der Platten bleibt der Bezug zur kleinteiligen Ziegelarchitektur erhalten. Feine Rillen und Fugen strukturieren die keramischen Elemente und erzeugen ein differenziertes Spiel aus Licht und Schatten. Je nach Lichteinfall verändert sich die Wahrnehmung der gewellten Oberfläche: Die konkaven Bereiche treten zurück, während die vorspringenden Partien stärker hervortreten und der Fassade zusätzliche Tiefe verleihen. Die Materialität wird dadurch aus der Distanz ebenso wie im Nahbereich erfahrbar.
Eine besondere farbliche Akzentuierung erhält der gemeinsame Baukörper der beiden Gymnasien: Rot und grün glasierte Keramikplatten prägen seine Fassaden, während grau glasierte Elemente die Gebäudeecken markieren. Die leicht transparenten Glasuren geben den champagnerfarbenen keramischen Scherben nicht vollständig preis, sondern lassen ihn dezent durchscheinen. Dadurch bleibt die natürliche, erdige Anmutung des Materials trotz der expressiven Farbgebung sichtbar. Die Oberfläche bewegt sich zwischen industriell präziser Fassadenbekleidung und der haptischen Qualität keramischer Baustoffe.
Die Farbpalette wird auch auf die weiteren Gebäude des Campus übertragen, wobei die einzelnen Baukörper jeweils in einer einheitlichen Farbgebung gehalten sind. Gemeinsam mit den wiederkehrenden Fassadenelementen entsteht so ein Ensemble, das trotz unterschiedlicher Nutzungen und Baukörper eine klare gestalterische Identität besitzt.
Der Campus Struenseestrasse zeigt damit exemplarisch, wie sich die traditionelle Materialität des norddeutschen Ziegelbaus in eine zeitgenössische Fassadensprache überführen lässt.
