Offizieller Schweizer Beitrag an der New Yorker Designwoche hat im Mai Einblicke in über 200 Experimentalfilme gegeben.

Kürzlich wurde in New York ein kaum bekanntes Kapitel der Schweizer Designgeschichte neu zugänglich: Der offizielle Schweizer Beitrag zur Designwoche «NYCxDesign» gibt Einblick in 214 kürzlich digitalisierte Experimentalfilme aus der Schweiz. Sie entstanden ab 1968 an der Schule für Gestaltung Basel und waren über Jahrzehnte kaum zu sehen.

Die von Christian Herren kuratierte und vom Schweizerischen Generalkonsulat in New York präsentierte Ausstellung «Frame in Frame – Swiss Design in Motion» erweitert das international bekannte Bild des Schweizer Designs – von der schnörkellosen Schriftart Helvetica im New Yorker Subwaysystem bis zu modularen Möbeln im Museum of Modern Art – um die frühe Geschichte bewegter Grafik. Sie zeigt, wie der Swiss Style den Sprung vom Plakat auf den Bildschirm schaffte – und wie diese Auseinandersetzung von Basel bis in Hollywood-Produktionen wie «American Psycho» nachwirkte.

Grafik beginnt sich zu bewegen

Die Filme entstanden zwischen den 1960er- und 1990er-Jahren im Ausbildungsprogramm «Film + Design» an der Schule für Gestaltung Basel. Dort wurde bereits ab 1968 systematisch untersucht, wie Grafik für Fernsehen und elektronische Bildmedien entworfen werden kann – lange bevor Motion Design zum selbstverständlichen Bestandteil visueller Kommunikation wurde. Viele Arbeiten waren bisher kaum zugänglich. Nach einem Digitalisierungsprozess an der Hochschule für Gestaltung und Kunst Basel FHNW und mit Unterstützung von Memoriav wurden sie nun erstmals in diesem Umfang präsentiert.

Eine andere Seite des Swiss Style

Das Basler Programm wurde von Armin Hofmann angeregt und später durch Peter von Arx geprägt. Es reagierte auf einen Medienwandel, der bis heute nachwirkt: Mit dem Aufkommen des Fernsehens wurde Fernsehgrafik – von Senderkennungen bis zu bewegten Schriftzügen – zu einem neuen Feld visueller Gestaltung. Grafik musste nicht mehr nur auf Papier funktionieren, sondern für Bildfolgen, Schriftbewegungen und Signete, die sich in der Zeit entfalten. Damit gehörte Basel weltweit zu den frühen Orten, an denen Grafikerinnen und Grafiker systematisch für das bewegte Bild ausgebildet wurden.

Die Filme beruhen zwar auf Prinzipien, die bis heute mit dem Swiss Style verbunden werden: konstruktive Ordnung und rhythmische Wiederholung. Im bewegten Bild verändern sie jedoch ihren Charakter. Linien beginnen zu vibrieren, geometrische Formen geraten in rhythmische Abläufe, einfache Zeichen entfalten eine unerwartete visuelle Intensität. Es entstehen überraschend freie, teilweise beinahe psychedelische Arbeiten, die sich eher mit strukturellem Kunstfilm vergleichen lassen als mit dem gängigen Bild nüchterner Schweizer Gestaltung.

Aktualität im Zeitalter generierter Bilder

«In einer Zeit, in der bewegte Bilder fast augenblicklich generiert werden können, wird der Blick auf ihre innere Konstruktion umso interessanter», sagt Kurator Christian Herren. «Die in der Schweiz produzierten Kurzfilme erzählen keine Geschichten im klassischen Sinn. Sie machen sichtbar, wie Bilder durch kleinste Verschiebungen und filmische Entscheidungen entstehen. ‹Frame in Frame› überträgt dieses Denken auch in den Raum: Die Besuchenden bewegen sich zwischen mehreren Projektionsflächen und erleben, wie Wahrnehmung konstruiert wird.»

Ein begehbares Kino über New York

In New York wurden die historischen Filme nicht als klassisches Archivprogramm gezeigt, sondern in eine begehbare Installation übertragen. Auf der 19. Etage des WSA-Gebäudes entwickelte der Künstler Daan Couzijn aus dem digitalisierten Material eine mehrkanalige Video- und Audioinstallation. Die Filme erschienen auf freistehenden Projektionsflächen; dahinter blieb die Stadtkulisse Manhattans sichtbar.

Initiiert wurde «Frame in Frame – Swiss Design in Motion» vom Schweizerischen Generalkonsulat in New York. Für Generalkonsul Niculin Jäger zeigt die Ausstellung, dass Swiss Style nicht als abgeschlossene Formensprache verstanden werden sollte: «Der Swiss Style war nie nur eine Ästhetik der Ordnung. Er ist ein Denken, und dieses Denken ist bis heute in Bewegung.»

 

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