Eine Architektur der Resonanz
Eine von K Architectures realisierte Reitsporthalle erweitert das Nationalgestüt in Hennebont. Die bauliche Umsetzung interpretiert den traditionsreichen Ort auf moderne Weise.

Die neue von K Architectures entworfene Reitsporthalle gehört zur Ferienunterkunft «Cour du Puits» und ist Teil der beiden historischen Innenhöfe des Nationalgestüts (Haras National) in Hennebont. Mit einer Höhe von siebzehn Metern prägt das Gebäude die Skyline des Geländes auf kühne Weise neu. Seine hoch aufragende Silhouette erhebt sich über die napoleonischen Stallungen und spiegelt die weitläufigen Schieferdächer dieser jahrhundertealten Bauernhäuser wider. Auf der Suche nach dem geeigneten baulichen Ergebnis, welches den Ort idealerweise repräsentiert, entschied man sich für eine klassische Bauweise. Die Grande Halle wurde unter dem Einfluss der edlen Formen des 17. bis 19. Jahrhunderts konzipiert.

Die Gebäudehülle zeichnet sich durch ihre fein nuancierte Materialität aus. Die Dachflächen sind mit rechteckigen Schieferplatten verkleidet. Es sind Überbleibsel der napoleonischen Architektur, die sich mit abgerundeten Schieferplatten zeitgenössischer Gestaltung abwechseln. Die Formgebung der Dachschrägen wird zu einer architektonischen Neuinterpretation des tscherkessischen grafischen Vokabulars. Durch dieses Spiel der Dreiecksformationen legt das Dach seine Strenge ab und weckt einen Hauch von Fantasie. Das Gebäude interpretiert das Prinzip aufeinanderfolgender Oberlichtbänder neu, um die natürliche Belüftung zu verbessern und das Licht von oben in das Zentrum des Bauwerks zu leiten.

Vollständige Entfaltung
Im Inneren entfaltet sich der Holzrahmen zu einem spektakulären Gewölbe. Die Struktur wird von einer radikalen Absicht bestimmt: die Halle – und zwei ihrer vier Fassaden – vollständig von jeglichen tragenden Punkten zu befreien. Jenes Kunststück beruht auf einem System von Bögen, die eine Kuppel bilden, auf der eine Stufenpyramide ruht. Sich versetzt erhebende Bögen stützen die Fachwerkträger, die die Fassaden in einem einzigen Zug überspannen. Diese Abwesenheit von Zwischenstützen ermöglicht es, die Arena in völliger Transparenz zu öffnen.

Entstehen sollte eine Struktur, die an der Fassade zurückhaltend wirkt und sich stattdessen unter dem Gewölbe vollständig entfaltet. Im gedämpften Licht der Inszenierung versetzt der gewölbte Holzrahmen das Publikum in eine festliche Atmosphäre. Um dieses hölzerne «Skelett» hervorzuheben, sind alle sekundären Bauteile und technischen Systeme in dunklen, matten Farbtönen gehalten. Durch diese Hell-Dunkel-Kontraste tritt die Gebäudehülle in den Hintergrund und das Geschehen im Inneren kommt stärker zur Geltung.
Die Flexibilität des Veranstaltungsortes kommt schliesslich durch seine versenkbare Fassade zum Ausdruck. Zwischen den Vorstellungen gleiten ganze Wandabschnitte hinter schlanke, feststehende Pfeiler zurück.

Die Holzverkleidung, bestehend aus horizontal gezackten Holzpaneelen und im strengen Raster angeordnet, tritt in einen grafischen Dialog mit der Leichtigkeit der Lamellen, welche die Dachgeschosse abschliessen.
Zwei Lichtringe mit verstellbaren Holzlamellen mildern das natürliche Licht und streuen es sanft ins Innere der Arena streuen. Tagsüber wirkt dies skulptural anmutend: Das Licht fällt direkt auf die Bögen und offenbart die Komplexität der Holzbinder sowie die ganze Kraft des architektonischen Skeletts von der Laufbahn aus.

Die Lamellen zur natürlichen Belüftung ermöglichen eine feine Regulierung des Luftstroms und dienen gleichzeitig als Schallschutz, was für die Ruhe während der Reitvorführungen unerlässlich ist. Durch ihre Öffnung zum Himmel sorgen die Ringe für passiven und nachhaltigen Klimakomfort in der gesamten Halle.


