Im Mittelpunkt des Wandels
Mit «Volta Nord» entsteht derzeit ein spannendes Quartier im Norden von Basel. Einen gehörigen Anteil an der Transformation des ehemals gewerblich genutzten Areals haben die SBB Immobilien. Sie zeigen sich verantwortlich für die Realisierung von Baufeld 2 als zentralem Baustein dieser Arealentwicklung.

Mit der Transformation des ehemaligen Gewerbe- und Industrieareals «Volta Nord» entsteht im Norden Basels ein zukunftsweisendes Stadtquartier, das Wohnen, Arbeiten, Dienstleistungen und hochwertige Freiräume zu einem ganzheitlichen urbanen Lebensraum verbindet. Bertrand Willi, Leiter SBB Immobilien Facility Management, informiert im Interview über die Besonderheiten und speziellen Herausforderungen des Projektes.

In Basel entsteht derzeit das ambitionierte Projekt «Volta Nord». Das Mitwirken der SBB Immobilien daran ist beträchtlich. Geben Sie uns doch bitte einen Einblick, Herr Willi.
Im Zentrum der Entwicklung dieses Gewerbe- und Industrieareals steht das von SBB Immobilien realisierte Baufeld 2 mit dem Namen «Volta Basel». Es besteht aus vier Gebäuden und nimmt innerhalb der Gesamtentwicklung eine Schlüsselrolle ein.

Drei der Bauten verbleiben im Eigentum der SBB.
Das ist korrekt. Zum einen betrifft dies Gebäude 2.1, welches 102 Wohnungen mit einem vielfältigen Wohnungsmix von 1,5- bis 6,5-Zimmer-Einheiten umfasst und sich an urbane Zielgruppen sowie Familien richtet. Ergänzende Gastronomie- und Dienstleistungsflächen im Erdgeschoss stärken die Nutzungsdurchmischung und beleben den öffentlichen Raum. Gebäude 2.3 bleibt dem Wohnen vorbehalten, während in Gebäude 2.4 gewerbliche und büroorientierte Nutzungen vorgesehen sind.
Ein viertes Gebäude komplettiert das Baufeld. Wozu wird dies genutzt?
Baufeld 2.2 wurde im Baurecht an die Wohnbau-Genossenschaft Nordwestschweiz und die Wohngenossenschaft Jurablick übertragen. Damit wird das Angebot um gemeinnützigen Wohnraum und Gewerbeflächen ergänzt.
Nachhaltigkeit ist heutzutage eine hohe Verantwortung. Wie ist der Umgang damit im Projekt?
Ein wesentlicher Baustein ist das konsequent integrale Gebäudetechnikkonzept. Sämtliche Gebäude werden mit einem Energiemanagementsystem sowie einer umfassenden Gebäudeautomation ausgestattet und in das zentrale Leitsystem eingebunden. Die kontinuierliche Erfassung und Analyse von Energieflüssen, Betriebszuständen und Verbrauchsdaten schafft die Grundlage für einen energieeffizienten Betrieb über den gesamten Lebenszyklus der Gebäude. Gleichzeitig werden die gewonnenen Daten transparent aufbereitet und den Nutzenden zugänglich gemacht, wodurch ein bewusster Umgang mit Energie zusätzlich gefördert wird.
Wie verhält es sich mit der Energieversorgung?
Auch diese folgt einem konsequent nachhaltigen Ansatz. Als primäre Energiequelle dient das lokal verfügbare Grundwasser. Eine Energiezentrale versorgt sämtliche Gebäude mittels Wärmepumpentechnologie mit Heizwärme und stellt gleichzeitig die Kälteversorgung für die gewerblichen Nutzungen bereit.
Ergänzt wird dieses Konzept durch eine konsequente Nutzung von Photovoltaik.
Auf allen Gebäuden erzeugen Solaranlagen mit einer installierten Gesamtleistung von rund 686 kWp jährlich etwa 624 MWh an elektrischer Energie. Die drei SBB-Gebäude sind in einem Zusammenschluss zum Eigenverbrauch (ZEV) organisiert, wodurch ein möglichst hoher Anteil der lokal produzierten Energie direkt innerhalb des Quartiers genutzt werden kann. Der erwartete Eigenverbrauchsgrad liegt bei mindestens 70 Prozent. Eine Photovoltaikfassade am Gebäude 2.3 unterstützt das Konzept der Energiegewinnung zusätzlich.
In den gewerblich genutzten Flächen verhält es sich anders.
Dort gewährleisten variable Volumenstromregler, intelligente Regelstrategien und druckunabhängige Regelventile eine präzise bedarfsgerechte Versorgung mit Wärme, Kälte und Frischluft. Die technische Infrastruktur reagiert dynamisch auf die jeweilige Nutzung und stellt Energie ausschliesslich dort bereit, wo sie tatsächlich benötigt wird.
Auch die Mobilitätsstrategie ist integraler Bestandteil der Gesamtplanung.
Die hervorragende Anbindung an den öffentlichen Verkehr, grosszügig dimensionierte Veloinfrastrukturen sowie eine zukunftsfähig ausgelegte Tiefgarage mit vorbereiteter Ladeinfrastruktur für nahezu sämtliche Stellplätze schaffen die Voraussetzungen für eine nachhaltigere Mobilität.
Wie unterstützt das Freiraum- konzept die Architektur?
Nachhaltigkeit beschränkt sich in «Volta Nord» nicht auf die Energieversorgung der Gebäude, sondern prägt ebenso die Gestaltung der Freiräume. Umfangreiche Baumneupflanzungen sowie intensiv begrünte Fassaden und Dächer verbessern das Mikroklima und leisten einen wirksamen Beitrag zur Anpassung an zunehmende Hitzeperioden.
Das Freiraumkonzept orientiert sich dabei konsequent an den Prinzipien der Schwammstadt. Niederschlagswasser wird nicht möglichst rasch abgeleitet, sondern vor Ort zurückgehalten, gespeichert und versickert. Dadurch entstehen multifunktionale Freiräume, die der Aufenthaltsqualität und dem natürlichen Wasserkreislauf dienen.
Ein zentraler Bestandteil dieses Konzepts ist die Regenwassernutzung.
Dafür wird das anfallende Niederschlagswasser in einer Zisterne gesammelt und für die vollautomatische Bewässerung der Fassaden- und Dachbegrünungen wiederverwendet. Das Speichervolumen ermöglicht es, Trockenperioden von bis zu drei Wochen ohne zusätzliche Wasserzufuhr zu überbrücken. Überschüssiges Regenwasser wird kontrolliert in den benachbarten St. Louis Park beziehungsweise über Versickerungsanlagen dem natürlichen Wasserkreislauf zurückgeführt. Erst bei unzureichendem Regenwasservorrat erfolgt eine Ergänzung mit Trinkwasser.
Man spürt, dass modernes Energiemanagement für SBB Immobilien weit über die reine Energieversorgung hinausgeht.
Richtig, und das Beispiel «Volta Nord» verdeutlicht dies auf vorbildliche Weise. Es umfasst die intelligente Steuerung der Gebäude, die Nutzung erneuerbarer Energien, die transparente Verbrauchserfassung, die Förderung nachhaltiger Mobilität sowie die langfristige Betriebsoptimierung. Auf diese Weise entstehen ökologisch wie wirtschaftlich nachhaltig betriebene Immobilien.
Vielen Dank für das Gespräch.
Im Zentrum der Arealentwicklung steht das von SBB Immobilien realisierte «Volta Basel». Fotos: SBB
