Wiederbelebt
Ritter Schumacher hat in Grüsch mithilfe von Swisspearl ein brachliegendes Industriegebäude in einen nachhaltigen Wohnturm mit energieerzeugender Gebäudehülle transformiert. Die Vorbildfunktion ist beachtlich.

Hinreissende Landschaften bilden die Kulissen für das Dorf Grüsch im Kanton Graubünden, das sich neben seinem Standort durch eine vielfältige Wirtschaftsstruktur auszeichnet. Neben Landwirtschaft und Tourismus spielt auch die Industrie eine wichtige Rolle, wodurch sich der Ort dynamisch entwickelt. Entsprechend gross war die Skepsis in der Bevölkerung, als die Umnutzung der historischen Mühle beim Bahnhof geplant wurde – insbesondere angesichts des Mangels an bezahlbarem Wohnraum. Letztlich setzte sich die Gutgrün AG mit einem nachhaltigen Konzept durch und realisierte wertvolle Mietwohnungen anstelle von Eigentum.
Die Mühle, deren Geschichte bis ins 16. Jahrhundert zurückreicht, wurde 2010 stillgelegt. Nach einer Phase kultureller Zwischennutzung begann 2023 schliesslich der Rückbau. Ende 2025 konnten die neuen Wohnungen bezogen werden. Spuren der früheren Nutzung wie erhaltene Graffitis wurden bewusst integriert und verleihen den Räumen einen besonderen Charakter. Dieses Vorgehen steht exemplarisch für den Wunsch der Bauherrschaft nach konsequenter Umsetzung von Nachhaltigkeit.

Innovatives Bauprojekt
Während das Hauptgebäude erhalten blieb, wurde ein Anbau aus den 1960er-Jahren durch einen modernen Holzbau ersetzt. Anstelle des ehemaligen Silos entstand ein elfgeschossiger Turm. Das gesamte Energiekonzept basiert auf erneuerbaren Quellen: Photovoltaikanlagen an Fassade und Dach liefern Strom, ergänzt durch eine Wärmepumpe und eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung.
Das Projekt wurde von der Deutschen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen (DGNB) mehrfach ausgezeichnet: mit Platin für den Rückbau sowie Gold für Neubau und Sanierung. Besonders bemerkenswert ist die Zertifizierung des Rückbaus, die neue Massstäbe setzt. So wurde der Beton des alten Turms vollständig recycelt und zu einem grossen Teil im Neubau wiederverwendet.
Insgesamt umfasst das Projekt rund 4000 Quadratmeter Nutzfläche, die sich je zur Hälfte auf Neubau und sanierte Bestandsflächen verteilen. Im Hauptgebäude entstanden 15 grosszügige Wohnungen, im Turm 37 kleinere Einheiten.
Insgesamt erzeugen 518 «Sunskin Facade Flat Module» von Swisspearl an der Fassade jährlich rund 85000 Kilowattstunden Strom. Die Umsetzung war jedoch anspruchsvoll, insbesondere aufgrund fehlender Brandschutznormen für Gebäude dieser Höhe und der schwierigen Erschliessung des Standorts. In enger Zusammenarbeit mit Fachplanern und Behörden konnte dennoch eine Lösung gefunden werden.
Dank des Efforts aller Beteiligten ist ein innovatives Bauprojekt entstanden, das ökologische, soziale und architektonische Ansprüche vereint.
