Neu strukturiert
Die Renovierung des Zentralpavillons der «Giardini della Biennale» ist Teil des Programms zur Erneuerung der Biennale-Infrastrukturen. Im Rahmen der «Biennale Arte 2026» wird darin bereits seit Mai und noch bis November 2026 die Ausstellung «In Minor Keys» von Koyo Kouoh vorgestellt.

An der im März 2026 abgeschlossenen Renovierung des Zentralpavillons waren verschiedene Fachleute beteiligt, unter anderem das Architekturbüro Labics S.r.l. und der Architekt Fabio Fumagalli, welche die architektonische Planung übernahmen. Das Projekt befasste sich mit einem stark geschichteten Gebäude, das von einer Reihe aufeinanderfolgender Eingriffe geprägt war, und führte es wieder zu Ordnung, Hierarchie und räumlicher Klarheit zurück.
Die Ausstellungsräume wurden klar und übersichtlich neu organisiert: Der zentrale Kern des Gebäudes ist über die Sala Chini zugänglich, die zum Hauptverteilungsknotenpunkt wird. Um ihn herum entfaltet sich ein Ring aus öffentlichen Servicebereichen – Buchhandlung, Café, Bildungsraum und Technikräume, die sich bewusst von den Ausstellungsräumen abheben.
Die Ausstellungsräume sind neutral sowie flexibel und unter anderem für temporäre Installationen nutzbar. Alle technischen Systeme sind in die Gebäudehülle integriert und hinter den neuen Wänden verborgen, womit die Räume völlig frei davon bleiben. Unter den historischen Elementen, die den Pavillon auszeichnen, wurde im Rahmen des Projekts besonderes Augenmerk auf die von Carlo Scarpa entworfenen Fensterrahmen gelegt, die restauriert und wieder eingebaut wurden.
Das Projekt zeigt, wie Wiederverwendung ein kreativer und kein nostalgischer Akt sein kann: Es wählt die verschiedenen Phasen in der Geschichte des Pavillons aus, ordnet sie und interpretiert sie, um eine neue architektonische Einheit zu schaffen, die den zeitgenössischen Anforderungen der Biennale gerecht wird.
Einer der auffälligsten Eingriffe ist der Bau zweier neuer Aussenkonstruktionen, die von den venezianischen Dachterrassen – den sogenannten Altane – inspiriert sind und in unmittelbarer Nähe zum Café und zum Mehrzweckraum errichtet wurden. Diese schlanken Konstruktionen bringen ein Element der Offenheit ein, das den Pavillon mit der Landschaft der Giardini verbindet, ohne mit dem bestehenden Mauerwerk zu konkurrieren.
Die neuen Oberlichter aus Photovoltaikglas und Streuglas gewährleisten eine gleichmässige natürliche Beleuchtung und tragen zur Energieerzeugung bei. Mehrere zu öffnende Module sorgen für Belüftung, während motorisierte Sonnenschutzvorrichtungen eine vollständige Verdunkelung ermöglichen. Der Raum bleibt karg, essenziell, flexibel und effizient, wobei architektonische Qualität im Vordergrund steht.
Blick in die Geschichte
Die Giardini di Castello am östlichen Rand Venedigs ist die historische Heimat der Biennale-Ausstellungen. Das Areal entstand im frühen 19. Jahrhundert im Rahmen des von Napoleon 1807 initiierten Stadtentwicklungsplans und wurde vom Architekten Gian Antonio Selva entworfen. Im Jahr 1895 fand dort die erste Internationale Kunstausstellung der Stadt Venedig statt, ein Ereignis, das den Beginn der Geschichte der Biennale markierte. Der Erfolg der ersten Ausgaben – über 200 000 Besuchende im Jahr 1895 und mehr als 300 000 im Jahr 1899 – führte ab 1907 zum Bau der nationalen Pavillons.
Der Zentralpavillon, ursprünglich Palazzo Pro Arte genannt, wurde zwischen 1894 und 1895 als Veranstaltungsort für die erste Internationale Kunstausstellung errichtet. Das Gebäude entstand aus dem Umbau bestehender Bauten, darunter die von Tommaso Meduna entworfene Cavallerizza und der Palazzo dei Concerti der Ausstellung von 1887.
Im Laufe des 20. Jahrhunderts wurde der Pavillon mehrfach umgestaltet: 1909 schmückte Galileo Chini die Kuppel der achteckigen Eingangshalle mit Fresken; 1914 veränderte Guido Cirilli die Fassade; 1932 baute Duilio Torres den Palazzo Pro Arte zum italienischen Pavillon um. Zahlreiche weitere Projekte – darunter solche von Ernesto Basile, Daniele Donghi, Carlo Scarpa, Giò Ponti, Louis Kahn und Francesco Cellini – trugen zur architektonischen Entwicklung des Gebäudes bei, auch wenn viele davon nie realisiert wurden.
Ursprünglich als einheitlicher internationaler Raum konzipiert, wurde das Gebäude im 20. Jahrhundert zum italienischen Pavillon, beherbergte jedoch weiterhin die grosse Gemeinschaftsausstellung der Biennale, die sich zwischen nationaler Repräsentation und universeller Ausrichtung bewegte. Mit der fortschreitenden Zunahme von Pavillons aus anderen Ländern behielt es seine Rolle als Eckpfeiler der gesamten Ausstellung bei.
Der Wendepunkt kam 1999 mit Harald Szeemann und der Einführung eines Modells der Internationalen Ausstellung als einheitliches Projekt, das einem von der Biennale ernannten Kurator anvertraut wurde und nicht mehr als Summe der Teilnahmen konzipiert war. Von diesem Moment an wurde die Unterscheidung zwischen der zentralen Ausstellung und den nationalen Pavillons klar definiert, und das Gebäude übernahm vollständig die Rolle des Ausstellungsraums des Kurators – als Ort eines autonomen Diskurses, unabhängig von den nationalen Vertretungen. Die anschliessende Umbenennung in Zentralpavillon (zwischen 2009 und 2011) besiegelte diese Transformation und würdigte die Rolle des Gebäudes als Herzstück der renommierten internationalen Ausstellung.
