Quartierbaustein in Wien fertiggestellt
Im neu entwickelten Quartier «Neues Landgut» nahe des Wiener Hauptbahnhofs entstand ein Ensemble in Holz- Systembauweise mit geförderten Wohnungen und Gewerbe, einer Kindertagesstätte sowie Räumen für das Umweltamt.

Südwestlich des Wiener Hauptbahnhofs wird das gemischt genutzte Quartier «Neues Landgut» auf einem 9 Hektar grossen Areal entwickelt. Insgesamt entstehen dort 1500 Wohnungen, ein Bildungscampus, Büros, Raum für Gewerbe und Grünflächen mit hoher Aufenthaltsqualität.
Unter dem Projektnamen «B.R.I.O.», einem Akronym für «bunt, robust, innovativ und offen» entstand ein sozial, ökologisch und ökonomisch nachhaltiges Projekt mit 175 geförderten Wohnungen in Holz-Systembauweise errichtet.
Effizient gefügte Konstruktion
Das Gebäudeensemble ist als elementierter Holz-Hybridbau und dadurch im Rahmen der wirtschaftlichen Vorgaben so effizient und nachhaltig wie möglich ausgeführt. Der zweigeschossige Sockel in Massivbauweise beherbergt die gewerbliche und soziale Nutzung. Darüber verteilen sich die Wohngeschosse, die im modularen Raster als Holzskelett mit Betonfertigteildecken ausgeführt sind. Dabei sind Brettschichtholz-Stützen im Abstand von 3,2 auf 3,2 Meter angeordnet, wodurch individuelle Grundrissstrukturen sowie spätere Neukonfigurierungen der Wohnmodule möglich sind.
Neben wenigen aussteifenden Wänden und den Erschliessungskernen aus Stahlbeton sind die Decken aus schlanken Betonfertigteilen sowie die Holzstützen samt Anschlussdorne und die Holzriegelwände jeweils vorgefertigt. Werkseitig wurden letztere mit einer Mineralwolldämmung und Gipskartonplatten beplankt. Ebenfalls vorgefertigt sind die Fassadenelemente samt Fenster und Holzverschalung, die im Werk vormontiert und auf der Baustelle passgenau gefügt werden konnten.

Vielseitiges Wohnmodul
Rund 16 000 Quadratmeter Nutzfläche verteilen sich auf die langgestreckten Gebäude mit unterschiedlicher Höhenentwicklung und jeweils polygonaler Grundfläche. Das Wohnmodul erlaubt unterschiedliche Typologien, von kleinen 1,5-Zimmer-Apartments bis zu Familienwohnungen mit 4 Zimmern oder durchgesteckte Maisonette-Wohnungen. Bodentiefe Verglasung, Loggien und Balkone erweitern den Wohnraum nach aussen.
Die Begrünung der Fassaden und Dachflächen, versickerungsfähige Untergründe und das Low-Tech-Heiz- und Kühlkonzept tragen zu einem überdurchschnittlich klimagerechten Projekt bei. Durch die elementierte Bauweise wird das Bauensemble einem zirkulären Architekturansatz gerecht. Es berücksichtigt ökologische Prinzipien über den gesamten Lebenszyklus: von der Errichtung über den Betrieb bis zu einem späteren Rückbau und einer möglichen Wiederverwendung der Elemente.
Soziale und ökologische Nutzung
Der Mix aus geförderten und besonders geförderten Wohnungen mit Mieten von maximal 7,50 Euro pro Quadratmeter und das breit gefächerte Wohnungsangebot sorgen für eine gute soziale Durchmischung. Zahlreiche Gemeinschaftsräume und günstig als Studio oder Homeoffice mietbare Mikroräume ergänzen das Wohnungsangebot. Ein Schwerpunkt liegt auf den besonderen Bedürfnissen von Alleinerziehenden. Diese finden passende, in das Wohnumfeld eingebundene Unterstützungsangebote vor. So liegt der Kinderspielraum im Erdgeschoss direkt neben dem Waschsalon mit Coworking Space, hinzu kommen Programme zur Kinderbetreuung und Lernhilfe.

Die Dachflächen werden zur Experimentierlandschaft, integrieren Urban Gardening oder etwa Bienenstöcke für die Umweltberatung. Gemeinschaftsküchen und -tafeln neben den Dachterrassen fördern die nachbarschaftliche Begegnung. Ein Standort der Volkshilfe mit Hausbetreuung und ein Reparaturcafé ergänzen das Quartiersangebot.
Intensiv begrünte Flächen, darunter der Innenhof bis hin zu den Dachgärten, sorgen gemeinsam mit der erdgebundenen Fassadenbegrünung für einen rundum belebten und naturnahen Quartierbaustein. Die Dachgärten werden zum Park – dort erlauben hohe Substratschichten auch die Pflanzung tiefer wurzelnder Bäume, wodurch Verschattung, saubere Luft und Schallschutz zu den nahegelegenen Gleisanlagen generiert werden. Bahnseitig sind die Gebäudeteile als geschlossener Rücken ausgebildet und mit Verglasung für erhöhten Schallschutz ausgestattet.
Ausgedehnte Freiflächen und gemeinschaftlich nutzbare Innenräume bieten zahlreiche Möglichkeiten zu Spiel, Sport und Bewegung sowie zu informellen Treffen der Bewohnenden und darüber hinaus. Das im Gewerbeteil einziehende Umweltamt stellt eine Schnittstelle zur Stadtbewohnerschaft her und schafft einen wertvollen Beitrag zur Bildung, Förderung, Beratung und zum Austausch rund um die Themen Umwelt, Biodiversität und Ökologie.

Fassadengestaltung und Kunst am Bau
Im Projekt «B.R.I.O.» stehen die Menschen und ihre natürliche Umgebung im Mittelpunkt. Nach aussen präsentiert sich das Projekt mit einer abwechslungsreichen Kubatur und gestaffelten Aussenwänden, die den modularen Ansatz abbilden. Oberhalb des Sockels aus Betonfertigteilen ist der konstruktive Holzbau von Holzfassaden mit horizontaler Lattung gekennzeichnet.
Zur Gestaltung tragen identitätsstiftende Werke des Wiener Künstlers Golif bei. 40 Wandapplikationen in Schwarz-Weiss zeigen an unterschiedlichen Stellen der Holzfassade grossformatige Figuren. Am Stahlbetonkern sind diese als Graffiti mit bunten Hintergründen gesprayt. Die Gesichter und Merkmale bilden die Vielfalt der Bewohnerschaft und Stadtumgebung ab, für die das Projekt einen integrativen, offenen und menschenzentrierten Rahmen schafft.
