Stark ist das Kollektiv, zeigt ein Wohnbauprojekt in Barcelona

Beim Wohnbauprojekt «Illa Glòries» in Barcelona sind Gemeinschaft, Nachhaltigkeit und Anpassungsfähigkeit die zentralen Elemente des modernen Zusammenlebens.

«Illa Glòries» ist Teil eines Umgestaltungsplans eines Stadtteils von Barcelona. (Bilder: Jose Hevia)

Wie vielerorts muss sich auch die Bevölkerung in Barcelona mit steigenden Mietkosten und begrenztem Wohnungsangebot auseinandersetzen. Die derzeitigen Stadtentwicklungsprogramme sind oft unflexibel und reagieren nur langsam auf die dringenden Bedürfnisse in der Stadt. In diesem Zusammenhang ist das Projekt «Illa Glòries» Teil eines grösseren Sanierungsplans zur Umgestaltung und Aufwertung eines weitläufigen Stadtteils von Barcelona. Für die Planung eines der Wohngebäude war Cierto Estudio zuständig. In verschiedenen, bereits fertiggestellten Projekten haben sie nachhaltige Wohnmodelle implementiert, die den sozialen Zusammenhalt und das individuelle Wohlbefinden fördern und gleichzeitig traditionelle häusliche Stereotypen und Hierarchien überwinden.

Innenhöfe und durchgehende Gemeinschaftsbalkone fördern die Interaktion zwischen den Bewohnenden. (Foto: Jose Hevia)

Inklusives und flexibles Wohnen

Cierto Estudio gewann den 2017 vom Institut Municipal de l’Habitatge i Rehabilitació de Barcelona (IMHAB) organisierten internationalen Wettbewerb. Das Gesamtprojekt sieht den Bau von 238 Wohnungen vor. Das von Cierto Estudio entworfene Gebäude A2 umfasst 51 Wohnungen und spiegelt einen ganzheitlichen Ansatz für urbanes Wohnen wider.

Das von Cierto Estudio entworfene Gebäude umfasst 51 Wohnungen und hat einen ganzheitlichen Ansatz für urbanes Wohnen. (Foto: Marta Vidal)

Zwei grosse Innenhöfe und durchgehende Gemeinschaftsbalkone fördern die Interaktion zwischen den Bewohnenden und bieten gleichzeitig eine sichere und lebendige Umgebung für Geselligkeit und Entspannung. Die Anordnung der Wohnungen um diese Gemeinschaftsräume fördert gegenseitige Wachsamkeit und erhöht die kollektive Sicherheit. Die räumliche Anordnung gewährleistet gekreuzte Sichtlinien und verstärkt so eine natürlich geschützte Umgebung. Die Innenhöfe sind vor öffentlichen Aktivitäten abgeschirmt, aber dennoch visuell mit der Strasse verbunden, wodurch Privatsphäre und Offenheit miteinander verschmelzen. Die Balkone dienen als Treffpunkte im Freien. Sie verbinden die Wohnungen mit Gemeinschaftsräumen wie Terrassen und Dachterrassen, wodurch sie zu einem integralen Bestandteil des täglichen Lebens werden.

Innenhöfe und durchgehende Gemeinschaftsbalkone fördern die Interaktion zwischen den Bewohnenden. (Foto: Jose Hevia)

Ein Zuhause ohne Hierarchien

Das Projekt stellt traditionelle Wohnhierarchien infrage und reagiert auf die sich wandelnden Bedürfnisse des modernen urbanen Lebens. Cierto Estudio schlägt deshalb einen neutralen Grundriss vor, der verschiedene Konfigurationen ermöglicht. Stereotypen und Hierarchien sollen beseitigt und gleichzeitig ein vielseitiges Zuhause geschaffen werden, um sich flexibel und reversibel an die Bedürfnisse der Bewohnenden anpassen zu können.

Küche, Bad und Waschküche sind in das soziale Gefüge der Wohnung integriert. (Foto: Marta Vidal)

Breite, nach Süden ausgerichtete Gehwege verbinden die Wohnungen mit einer gemeinschaftlichen Dachterrasse, die als grüne Oase der übermässigen Hitze in der Stadt entgegenwirkt. Die Gehwege erweitern sich an den Eingängen zu den Wohnungen, unterstreichen die zentrale Rolle der Küche und des häuslichen Lebens und verstärken die Sichtbarkeit der häuslichen Aufgaben. Durch die Integration von Küche, Bad und Waschküche in das soziale Gefüge der Wohnung sowie der Gemeinschaft hinterfragt der Entwurf traditionelle Geschlechterrollen und fördert die gemeinsame Teilhabe an den Haushaltsaufgaben.

Das Objekt wurde als Nearly Zero Energy Building konzipiert. Mehr als 60 Prozent des Grundstücks bestehen aus Grünflächen, wodurch der städtische Wärmeinseleffekt gemildert wird. ●

Foto: Marta Vidal
Foto: Marta Vidal
Foto: Marta Vidal
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